Hamburg

Spannende Fusion: Urban Academy im Birdland

Hamburg.  Oh Gott, was können diese jungen Leute gut spielen heutzutage! Aufgewachsen mit allen möglichen Genres der populären Musik und zudem akademisch ausgebildet, vermögen manche von ihnen all diese Einflüsse zu einer in jeder Hinsicht des Wortes unerhörten Musik zu fusionieren, die weder spieltechnische noch formale Hindernisse kennt. Am Sonnabend im Birdland zeigte der Schlagzeuger Silvan Strauss, einer der drei Jazzmaster-Studenten der Musikhochschule Hamburg, mit seiner Band Urban Academy, welch faszinierenden Kosmos aus extrem komplexen, dabei überwiegend vorwärtstreibenden Rhythmen und Ideen er bewohnt.

Mit vier Mitstreitern aus der Hochschule – Lukas Klapp (Keyboards), Sebastian Wehle (Saxofon), Alex Eckert (Gitarre) und Daniel Stritzke (E-Bass) sowie Lena Geue als Sängerin bei einigen Stücken – stellte Strauss die Musik vor, die die Band für das im September erscheinende Album "Pulli" eingespielt hat. Sie lässt sich höchst unzulänglich als eine springlebendige Erbin geistiger Vorfahren von den Temptations über Billy Cobham und George Duke sowie Bill Bruford und Allan Holdsworth bis zu den knochentrockenen Breakbeats des Hip-Hop beschreiben.

Stritzkes klanglich etwas überpräsenter Bass bildete dabei das unzerreißbare Ankertau; noch die krudesten Metren und rhythmischen Unterteilungen gestaltete er mit dem technisch und arithmetisch stupend virtuos trommelnden Strauss als eminent bewegliches, vielgliedriges Rückgrat für eine trotz dieser rhythmischen Wucht melodisch keineswegs unterbelichtete Musik. Herrlich, wie in manchen Stücken aus den stoischen Stolpergrooves unvermittelt das Licht dreistimmiger Hymnen aus Keyboards, Gitarre und Saxofon herausbrach.

Hier war ein Kollektiv am Werk, dem man viel Zeit für gemeinsame musikalische Entwicklung wünscht, damit in all das großartig Ertüftelte auch live noch mehr Fluss, Gelassenheit und Selbstverständlichkeit kommt.

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