Köln

Trauer um Alfred Neven DuMont

Er war eine der letzten großen Verlegerpersönlichkeiten der Nachkriegszeit

Köln.  Als Verleger war er ein Urgestein, als Herausgeber ein Patriarch: Der Kölner Journalist Alfred Neven DuMont ist tot. Der Herausgeber und langjährige Aufsichtsratsvorsitzende des Verlags starb am Sonnabend im Alter von 88 Jahren. Neven DuMont galt als eine der letzten großen Verlegerpersönlichkeiten der Nachkriegszeit in Deutschland. DuMont wurde als Spross einer Kölner Verlegerdynastie geboren, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Obwohl er sich in München als Schauspieler und Regieassistent etabliert hatte, ging er in die USA, um das Medienwesen zu studieren. 1953 trat er in den Verlag seines Vaters ein und übernahm die publizistische Leitung beim „Kölner Stadt-Anzeiger“. Den „Express“ gründete Neven DuMont Mitte der 60er-Jahre.

Mehr als 50 Jahre zählte „Sir Alfred“ zum festen Prominenten-Inventar der Stadt, fast vergleichbar mit dem Volksschauspieler Willy Millowitsch oder BAP-Sänger Wolfgang Niedecken. Als junger Mann stand Neven DuMont auf der Bühne der Münchner Kammerspiele – eine Erfahrung, die ihm im späteren Berufsleben zugute gekommen sein dürfte, denn er konnte zeitlebens die unterschiedlichsten Rollen ausfüllen: Mal gab er den Charmeur und Unterhalter, dann wieder den knallharten Chef. Er war Kunstmäzen und Karnevalsprinz, Präsident der Industrie- und Handelskammer und natürlich Ehrenbürger. 1966 heiratete Neven DuMont Hedwig von Auersperg. Ihr ältester Sohn Markus, ein Künstler, starb 1995. Die jüngeren Kinder sind Isabella, 47, und Konstantin , 45.

In der M.-DuMont-Schauberg-Gruppe erscheinen auch die „Kölnische Rundschau“, die „Berliner Zeitung“, die „Mitteldeutsche Zeitung“, die „Hamburger Morgenpost“, die „Berliner Zeitung“ und der „Berliner Kurier“ mit einer täglichen Gesamtauflage von mehr als einer Million Exemplaren. Zur Gruppe gehören auch der Buchverlag DuMont und Beteiligungen an Radio- und Fernsehsendern und Anzeigenblättern. Im Alter hatte Neven DuMont mit seinen Zukäufen mitunter weniger Glück: Die „Frankfurter Rundschau“ musste er nach wenigen Jahren wieder aufgeben. Kritiker meinen, seine Zeitungsliebe habe ihm den Blick auf unternehmerische Risiken verstellt. Immer wieder warnte er davor, Qualitätsblätter dürften nicht irgendwelchen Managern überlassen werden: „Zeitungen sind keine normalen Unternehmen. Das ist etwas ganz anderes.“