Hamburg

Technik, die begeistert, und Musik, die fasziniert

| Lesedauer: 2 Minuten
Heinrich Oehmsen

Hamburg. Geld konnte man nicht in die Music Box werfen, die Simon Steen-Andersen für seine Komposition „Black Box Music“ entworfen hat. Der schwarze Kasten stand an der Stirnseite im Rolf-Liebermann-Studio, Hakon Stene bediente ihn. Mit seinen Händen griff er ins Innere, eine Kamera übertrug die Bewegungen auf eine Leinwand. Drei im Raum verteilte Musikergruppen des Ensemble Modern reagierten. Die Art der Darbietung hinterfragte einerseits die Rolle des Dirigenten, andererseits arbeitete sie mit Puppenspiel-Elementen.

Steen-Andersen, für den Livemix verantwortlich, und Stene schufen eine Reihe komischer Momente, wenn der Black-Box-Künstler in seiner Box einen sich schnell drehenden Fadenschläger in Gang setzte, der Plastikbecher und einen Luftballon bewegte und dabei Geräusche erzeugte. Als Stene immer mehr Luftschlangen in die Box stopfte, sah sie am Ende des 30minütigen Werks aus wie der Fußboden nach einer Karnevalsparty.

Visuelle Eindrücke waren bei dem ersten von zwei Konzerten mit dem Titel „Music Box 1 & 2“ ebenso wichtig wie die Musik selbst. Der Abend in der NDR-Reihe „das neue werk“ begann mit Thierry de Meys „Musique de tables“ für drei Schlagzeuger. Die Musiker hatten dafür nur Klangbretter zur Verfügung, auf denen sie in einer exakten Choreografie ratschten, klopften, wischten und schlugen. Bei Vito Zurajs „Top Spin“ versammelten sich drei Schlagzeuger um einen Tisch, schlugen auf Trommeln und Klanghölzer und fingen an, um den Tisch zu laufen, was der Aufführung etwas Theatrales gab.

Zweiter Höhepunkt war die von Ondrej Adámek dirigierte Aufführung seines „Karakuri – Poupée mécanique“. Eine Sängerin fungierte als mechanische Puppe, die pantomimische Gesten zeigte und tschechische Wörter rhythmisierte. Die Lautmalereien kontrastierten mit der geräuschhaften Musik. Neue Musik muss nicht akademisch, sie kann auch humorvoll sein. Dieser Abend bewies das.

( oeh )