Kultur

Paul Wellers bodenständiger Trip zum Saturn

Saturn und die Beschäftigung mit dem Weltall war vor allem mit Sun Ra verbunden, der mit seinem Arkestra musikalisch in den Orbit reiste. Jetzt nimmt auch Paul Weller, der bodenständige britische Mod-Rocker, ferne Planeten ins Visier. „Saturns Pattern“ hat er sein aktuelles Album genannt. Es beschreibt einen Wind auf der Nordseite des Saturns, der die Form eines Hexagons annimmt, das CD-Cover zeigt ein blau-gelb-rotes Sechseck. Besonders psychedelisch klingt der Titelsong allerdings nicht: Mit seiner eingängigen Melodie erinnert er eher an die schlichten Boogies von T. Rex. Neun neue Songs hat Weller in den Black Barn Studios in Surrey aufgenommen, sie sind wieder etwas geerdeter als die vom Krautrock beeinflussten Nummern auf dem Vorgänger-Album „Sonik Kicks“. „Ich will mich mit keiner Platte wiederholen“, sagt der 56 Jahre alte Sänger und Gitarrist.

„Saturn Patterns“ klingt nicht wie aus einem Guss, aber das ist kein Nachteil. Weller zeigt die große Bandbreite, über die er inzwischen verfügt und die sein elftes Solowerk sehr abwechslungsreich klingen lässt. „Going My Way“ zum Beispiel ist eine wunderschöne Ballade mit dem „Modfather“ am Klavier, „Long Time“ ein schneller Rocker mit zwei Akkorden, der sich vor den Stooges verneigt, „White Sky“, der Eröffnungssong, eine Bluesrocknummer, auf der Weller ein Gitarrensolo spielt – vor 35 Jahren, als er mit The Jam seine ersten Erfolge feierte, noch undenkbar. Damals diente die Gitarre als reines Rhythmusinstrument.

Die ungestüme Wucht dieser frühen Jahre findet sich auf „Saturn Patterns“ ebenso wie die souligen Grooves, die Weller in den 80er-Jahren mit seiner Band Style Council pflegte. Das von einer Orgel angetriebene „Pick It Up“ ist eine Reminiszenz an diese Phase seiner langen Karriere.

Höhepunkt von „Saturn Patterns“ ist das achteinhalbminütige „These City Streets“. Auch dieser Track erinnert mit seinem leicht melancholischen Grundgefühl an Style Council. Aufgenommen wurde das Stück live, und es enthält sogar Improvisationen der Gitarristen Steve Cradock und Steve Brookes. „Ich habe an London gedacht, als ich den Song geschrieben habe. Für mich ist es die großartigste Stadt dieses Planeten“, sagt Weller. Saturn ist weit und nur ein Albumtitel.