Hamburg

Gnadenlos übertrieben

Dem „Kurschattenmann“ mit Jochen Busse in der Komödie Winterhude fehlt es an Subtilität

Hamburg. Über ihre Krankheit sollen sie eigentlich nicht sprechen, die Patientinnen in einer Kurklinik in Bad Pyrmont. Ein Geheimnis machen Alice, Edith und Oda aber nicht daraus. Jede von ihnen leidet unter Depressionen. Doch es scheint mehr die Einsamkeit zu ein, die sie in die Klinik getrieben hat. Alice (Angela Roy) ist von ihrem Mann verlassen worden, Edith (Ingrid Steeger) ist Witwe, und Oda (Simone Rethel) kommt aus undurchsichtigen Verhältnissen mit griechischem Reedervater und arabischem Mann. Und dann ist da noch Ulrich (Jochen Busse), ein gepflegter älterer Herr, der sich intensiv um die drei Damen kümmert. Er ist der Kurschatten par excellence und immer bereit, die Frauen zu munteren Ausschweifungen zu verführen.

Das Thema Kurschatten könnte eigentlich ein lustiges sein, weil Menschen in einem begrenzten Zeitraum mit ihren Macken aufeinanderstoßen. René Heinersdorff hat darüber ein Stück geschrieben, das jetzt Premiere in der Komödie Winterhuder Fährhaus hatte. Doch das Thema ist in „Der Kurschattenmann“ verschenkt. Ulrich, seine Hauptfigur, ist ein Hochstapler, der so gnadenlos übertreibt, dass daraus keine Komik entsteht. Die Gags mit dem tauben Daumen, dem 500-Euro-Schein und den Tierkosenamen, die er seinen Freundinnen gibt, nutzen sich schnell ab. Jochen Busse macht das, was er am besten kann: reden, schwa­dronieren, übertreiben. Es fehlt an Subtilität, nur selten wird mal eine lustige Pointe gesetzt, vieles ist vorhersehbar. Einzelne Gags werden von den Zuschauern ausgesprochen, bevor sie auf der Bühne überhaupt gesagt sind.

Dass der „Kurschattenmann“ nicht funktioniert, liegt jedoch nicht an den Schauspielerinnen. Sie geben ihren Figuren durchaus Kontur. Seine besten Momente hat die Inszenierung von Horst Johannig nach der Pause, wenn Alice, Oda und Edith dem Hochstapler Ulrich mit einem Verwirrspiel eine gehörige Lektion erteilen. Eine Lachkur, wie das Programmheft verspricht, ist „Der Kurschattenmann“ nicht geworden, aber immerhin die Möglichkeit, eine Reihe von erfolgreichen Film- und Fernsehschauspielern hautnah auf der Bühne zu erleben.

„Der Kurschattenmann“ läuft bis zum 12. Juli