Konzert

Chris de Burgh feiert eine Lebensfreude-Messe im CCH

Kommt seinen Fans
ganz nah: Chris de
Burgh weiß, was er
den „Allesfahrern“
schuldig ist

Kommt seinen Fans ganz nah: Chris de Burgh weiß, was er den „Allesfahrern“ schuldig ist

Foto: Dave Morley

Der irische Pop-Barde präsentierte 2800 Fans ein buntes, vielseitiges und sehr langes Programm von rockig bis kitschig.

Hamburg.  Beeindruckend. Als Fan des irischen Pop-Barden Chris de Burgh bekommt man eine Menge geboten bei seinem Gastspiel am Montag im fast ausverkauften CCH. Zwei Stunden und 40 Minuten Spielzeit, 33 Lieder mit allen Hits, eine für CCH-Verhältnisse ambitionierte Bühnen- und Lichtshow und sehr viel Nähe. Da wundert es kaum, dass nicht wenige der 2800 Besucher dem Sprach- und Dialektgewirr im Foyer nach Allesfahrer sind. Oder „Groundhopper“, wie Fußball-Fan de Burgh (den roten Liverpoolern gehört sein Herz, natürlich) sie nennen würde. Fans, die ihrem Idol überallhin folgen. Nach München, nach Mannheim, sogar nach – was ist schlimmer als Verlieren? – Siegen.

Als Chris de Burgh und seine Band mit „The Hands Of Man“ beginnen, tost schon der erste lange Willkommens­applaus, bevor man sich im harten CCH-Gestühl zurücklehnt und im warmen, folk-poppigen Sound die Zeit einfach Zeit sein lässt. Auf der Videoleinwand umfassen Hände die Weltkugel, Vögel formen einen Indianerkopf, das könnte schon Schleichwerbung für die die nächste „Lebensfreude“-Messe für „Gesundheit, Wellness, Ernährung und Ökologie“ im CCH sein.

Und wie dort Lebensfreude herrscht. Klatscht bei „Big City Sundays“ erst nur ein Fan geradezu verbissen fordernd den Takt mit, so ist es beim dritten Song „The Light On The Bay“ bereits der ganze Saal. „Ship To Shore“ zieht die Anhänger aus den Sitzen, für ein Tänzchen in den Gängen und vor der Bühne, bevor es zum spanischen Abschnitt (de Burgh wurde 1948 in Argentinien geboren) mit „The Same Sun“ und „Spanish Train“ wieder zurück auf die Plätze geht.

Chris de Burgh macht es sich als Märchenonkel auf einem Ohrensessel gemütlich und fordert mit „Through ­These Eyes“ Respekt für die Älteren, dann geht es ins All zu „Transmission Ends“ und „A Spaceman Came Travelling“, die Lichttraversen erheben sich drohend wie die Kampfmaschinen aus „Krieg der Welten“.

Das Programm bleibt auch im zweiten Teil bunt und vielseitig. Die Band rückt für ein Unplugged-Set bei wenig Licht eng zusammen und spielt „Missing You“, „Pure Joy“, „Love Of The Heart Divine“ und „There Goes My Heart Again“, anschließend verschwindet sie zum Bierchen backstage und de Burgh erfüllt im Alleingang mit seiner Zwölfsaitigen Publikumswünsche: „Sailing Away“. Das Anti-Kriegslied „Borderline“ erntet minutenlange Standing Ovations. Gerade dieser akustische Teil ist in seiner Reduziertheit ein Höhepunkt der langen Show, denn besonders die aus heutiger Sicht billig wirkenden seifigen Keyboard-Streicher zerren manchmal arg an den Nerven.

Aber zu 80er-Hits wie „The Lady In Red“ gehören sie dazu. Die Fans halten Handys mit Wunderkerzen-App hoch oder überreichen Blumen. Chris de Burgh wandert durch die Reihen, schüttelt Hände und rockt durchaus forsch mit „Don’t Pay The Ferryman“ und „High On Emotion“. Die Emotionen kochen derart über, dass das eher selten gespielte „Patricia The Stripper“ sich zum Finale mit dem in Hamburg geschriebenen „Go Where Your Heart Believes“ gesellt. Kleiner Tipp für Fans, die ihm beim nächsten Konzert ganz nah sein wollen: Sichern Sie sich Randplätze und bleiben Sie sitzen, wenn alle stehen. Tun Sie so, als wären Sie vom NDR oder vom Abendblatt und machen Sie sich Notizen. Dann legt sich Chris de Burgh vielleicht auch auf Ihren Schoß. Neidisch?