Hamburg

Musik, die Räume öffnet

Der Hamburger Pianist Nils Frahm gab auf Kampnagel ein bewegendes Konzert zwischen Jazz, Techno und Klassik. Im August ist er an diesem Ort noch einmal zu erleben

Hamburg.  Halb bestuhlt ist dieses Konzert auf Kampnagel. Doch obwohl vor der Bühne reichlich Fläche vorhanden ist, um zu stehen und zu tanzen, hocken sich die Zuschauer auf den Boden. Als ob jeder einzelne wüsste: Das, was da kommt, ist so bewegend, da muss ich mich nicht noch selber rühren.

„Ich freue mich sehr, wieder zu Hause zu sein“, sagt Nils Frahm. Gebürtiger Hamburger, Wahl-Berliner, gefeierter Wundermensch der Genres sprengenden Klavier-Interpretation. Bereits seine Stimme ist so freundlich und beruhigend, dass es sie auf Rezept geben sollte. Ein schmaler Typ. Dreitagebart, Schlabbershirt, Jeans, Sneaker. Ein Star, der wie keiner aussieht. Und der sich und andere verwandelt, sobald er zu spielen beginnt.

Der 32-Jährige startet sein seit Wochen ausverkauftes Konzert mit einer einfachen, akzentuierten Melodie am Flügel. Tief über die Tasten gebeugt, als krieche er in die Töne hinein, als wolle er sie gänzlich erfühlen. Dann dreht er sich um zu seiner Orgel, dessen selbst gebaute Holzpfeifen links auf der Bühne prangen. Dem Instrument, quer geschaltet mit Effektgeräten, entlockt er vibrierende Sounds, die wie ein Wetterleuchten empor steigen, sich dann intensivieren, bis der ganze Saal von diesem voluminösen Klang ausgefüllt ist. Und der Hörer ist nicht bloß umfangen von dieser Fülle. Der Körper wird regelrecht durchdrungen von all den akustischen Schichten und Details, von dem Hämmern und Gurgeln, dem Flippern und Driften der Töne.

Spätestens in diesem Moment wird überdeutlich, warum der Künstler eines seiner Alben „Spaces“ genannt hat. Seine Musik öffnet Räume. Ob er nun einen dunklen Beat in Wiederholung wabern lässt und dazu Wellen aus einem geöffneten Piano schickt. Oder ob er zum Durchatmen immer wieder Freiräume schafft, in die er zarte Melodie-Fragmente perlen lässt. Es scheint, als wolle er nicht weniger als sein eigenes akustisches Universum erzeugen, dass es live mehr und mehr auszudehnen gilt. Techno, Klassik oder Jazz sind in diesem Kosmos jedenfalls längst keine Fixsterne mehr.

Nils Frahm Di, 11.8., 20.00, Kampnagel K6, 33 Euro im Vvk., Karten: T. 270 949 49; www.kampnagel.de