Hamburg

Laura Marlings Gespür für den richtigen Groove

Hamburg.  „Howl“ heißt der Song, mit dem Laura Marling ihr Konzert im fast ausverkauften Knust beginnt. Ihre elektrische Gitarre klirrt, der Song ist etwas rumpelig und ein ganzes Stück entfernt von den akustischen Folksongs, mit denen die blonde Britin vor neun Jahren ihre Karriere begann. Mit 25 Jahren ist Marling immer noch jung, hat aber bereits fünf Alben veröffentlicht. Im Knust zeigt sie sich als eine lebenskluge junge Frau, die Gefühlszustände in Songs packen kann, die gleichzeitig sperrig und spannend sind. Viele Nummern stammen von ihrem aktuellen Album „Short Movie“, auf dem sie eine gescheiterte Beziehung und einen längeren Aufenthalt in den USA verarbeitet.

Marling ist mit einer vierköpfigen Band nach Hamburg gekommen, meistens spielt sie eine E-Gitarre. Oft erinnern ihre Songs an Musik, wie sie Ende der 60er-Jahre gespielt wurde. Ein Auftritt beim Woodstock-Festival hätte sie mit Sicherheit zu einem Superstar der damaligen Zeit gemacht. Mit ihren klugen Liedern wie „I Feel Your Love“, „Warrior“ und „Goodbye England ­(Covered With Snow)“ muss sie als die Joni Mitchell der Gegenwart gelten. Es gibt nicht viele Sängerinnen und Songschreiberinnen ihrer Generation, die so starke Bilder für ihre Gefühlszustände finden.

Laura Marlings Lieder haben selten Refrains, die man mitträllern könnte, sie erzählt Geschichten. Beim Knust-Konzert gehen die ersten Songs ineinander über, erst nach 23 Minuten setzt Marling die Gitarre ab und em­pfängt den Beifall des hingerissenen Publikums. Auf „Short Movie“ ist sie sehr viel rockiger als auf den vorangegangenen Platten, bei „False Hope“ drischt sie in die Saiten, wie man das von Chrissie Hynde oder der frühen PJ Harvey kennt. Marling besitzt außerdem ein sicheres Gespür für den richtigen Groove und sie weiß, wie sie mit Riffs Spannung erzeugen kann. Nach eineinhalb Stunden ist leider Schluss ihres Konzerts, ihr Publikum hätte ihr sicher noch länger zugehört.