Hamburg

Simone Young: Ein Triumph zum nahen Abschied

Die Künstlerin dirigiert in ihrem vorletzten Abonnementskonzert triumphal drei russische Werke. Der Saal feierte sie begeistert.

Hamburg.  Nun runden sich so langsam die Dinge. Zu ihrem vorletzten Abonnementskonzert mit den Philharmonikern hat Simone Young mit ­Cédric Tiberghien jetzt denselben französischen Pianisten eingeladen, mit dem sie am selben Ort vor nahezu zehn Jahren ihre Amtszeit als Hamburgische Generalmusikdirektorin begann. Für ihr Entrée hatte sie damals Olivier Messiaens monumentales, dabei zugleich filigranes Transzendenz-Kunstwerk „Turangalîla“ gewählt. Jetzt, zum Abschied, stand das 1909 komponierte, einmal noch apotheotisch die Romantik beschwörende Klavierkonzert Nr. 3 von Sergej Rachmaninow auf dem Programm, ein Stück, das die ganze Skala der Gefühle im russischen Alphabet durchbuchstabiert.

Tiberghien, der in Hamburg zuletzt Anfang 2014 mit den Symphonikern unter Jeffrey Tate das Grieg-Konzert musizierte, gab auch beim berühmt-berüchtigten „Rach 3“ eine rundum überzeugende Vorstellung. Ob Donnerkadenzen oder liedhaft innige Passagen: Dieser Virtuose versteht sich auf eine Ausdruckstiefe, die auch deswegen so beeindruckt, weil er selbst prasselnde Töne noch schlank und beweglich artikuliert und beim Spielen fortwährend im Dialog mit dem Orchester bleibt. Die vielen heiklen Stellen zwischen Tutti und Solo tarierte Young souverän aus. Traumhaft schön der zweite Satz, und das Finale, bei dem die Musik aus vermeintlich schon erreichter idyllischer Ruhe noch mal mächtigst in Wallung kommt, zelebrierten Solist und Orchester als fesselnden Showdown. Die Zugabe – Bach/Silotis h-Moll-Präludium – spielte Cédric Tiberghien berückend durchsichtig und fein.

Transparenz kennzeichnete schon die kammermusikalische Aufführung der „Autumn Music“ von Elena Firsova, mit der die Matinee am Sonntag in der Laeiszhalle begann. Das 1988 im Andenken an Tschaikowsky komponierte Stück gehört zu jener Art neuer Musik, die keinen Takt lang ihre Zeitgenossenschaft verleugnet und doch dem Hörer keine Hürden in den Weg stellt. Die Komponistin war anwesend und erntete warmen Applaus.

Auch nach der Pause, bei Tschaikowskys 4. Sinfonie, hielt das Orchester seine exzellente Form. Die Musiker spielten engagiert, hellhörig und im besten Sinne entspannt. Schöne exponierte Stellen und Soli der Hörner, von Oboe, Klarinette, Flöten und Fagott, die Streicher gestalteten ihr ausdauerndes Pizzicato im 3. Satz höchst lebendig und prägnant. Der Saal feierte die scheidende Chefdirigentin mit ungebremst hanseatischer Begeisterung.

Wiederholung heute, 20 Uhr, Laeiszhalle