Kultur

„Niemand im Klan ist Rassist“

Den Atem anhalten, das passiert selten beim Anblick von Dokumentationen. Doch dann steht da, irgendwo in einem Ort, der früher in der DDR lag, eine farbige Deutsche, die einen NPD-Funktionär seelenruhig fragt, wie sie ihren Besitz ins Ausland schaffen soll, sobald sie erst einmal von einem wie ihm dorthin „zurückgeführt“ wird. Und der Mann sagt: „Der Rest wird Ihnen ausgezahlt, dann ist gut.“

Wenig später steht die gleiche Deutsche, deren Großmutter in der SS war und deren Vater schwarz, auf einem Feldweg in den USA und ein Mitglied des Ku-Klux-Klan steht neben ihr und sagt, von seiner lächerlichen Bibabutzemann-Zipfelmütze beschützt: „Niemand im Klan ist Rassist.“ Dass die Erde eine Scheibe ist, sagt er nicht, das übernahm kurz zuvor ein verwirrter Esoteriker, der behauptet, es habe „reichsdeutsche Flugscheiben“ gegeben, mit denen die Mond-Rückseite besiedelt wurde. Und der Mars auch.

Für „Die Arier“ hat die Moderatorin und Filmemacherin Mo Asumang etliche Preise und begeisterte Kritiken bekommen. Im ZDF lief dieser Film vor einem Jahr – kurz vor Mitternacht. Also dort, wo sich niemand hinverirrt. In dieser Woche wurde er um 20.15 Uhr wiederholt – aber im Spartenprogramm ZDF Kultur, das eingestellt werden soll. Schon wieder dort, wo sich niemand hinverirrt. Im Hauptprogramm lief zeitgleich ein Krimi. Bleibt also, wieder mal, nur die Mediathek.

Asumang wollte herausfinden, was es mit den Wahnvorstellungen über arische Überlegenheit auf sich hat. Dafür ließ sie sich von Burschenschaftlern auf der Wartburg anblaffen und von einem US-Rassisten erzählen, dass ihr Vater „Gen-Entführung“ begangen habe. Aber weil die echten Arier ihre Wurzeln nicht im braunen germanischen Sumpf, sondern in Indien und Iran haben, reist Asumang in den Iran. Sie trifft Arier, bei deren Anblick der Führer Koliken bekommen hätte, und die sagen ihr, verwundert über das Gedankengut, freundlich: Schönen Gruß an Ihre Neonazis. Alle Menschen sind gleich.