Hamburg

Der ruhige Typ

Im wunderbaren Film „Hedi Schneider steckt fest“ kann man Hans Löw, ehemaliges Thalia-Ensemblemitglied, in seiner bislang größten Kinorolle sehen

Hamburg. Erst sah man ihn andauernd, dann kaum noch, und jetzt ist er plötzlich ganz groß im Bild. Fast zehn Jahre war Hans Löw Ensemblemitglied am Thalia Theater, verkörperte in dieser Zeit alles, was der Spielplan hergab, von Hamlet über Faust bis zu Clavigo. Dann nahm er sich eine Auszeit und ist seitdem nur noch sporadisch zu Gast auf Hamburgs Bühnen. Zurzeit kann man ihn aber in seiner bisher größten Kinorolle sehen. Löw spielt den Uli im Familiendrama „Hedi Schneider steckt fest“.

Der Film von Sonja Heiss packt ein schwieriges Thema auf ganz besondere Weise an. Uli ist der Ehemann von Hedi (Laura Tonke). Beide haben zusammen den Sohn Finn (Leander Nitsche). Die Beziehung gerät aus dem Gleichgewicht, als Hedi eine Angststörung bekommt. Sie hat Panikattacken und kennt sich selbst nicht mehr. Uli will ausgleichen, aber was sie auch versuchen – Hausmittel, Psychotricks, Arztbesuche, Psychopharmaka – nichts scheint zu funktionieren. Selbst der geduldige Uli gerät ans Ende seiner Möglichkeiten. Sie versuchen ihre Liebe mit einem Urlaub in Norwegen zu retten.

„Die Dreharbeiten waren für mich aufregend, denn ich habe noch nie so eine große Rolle gespielt“, sagt Hans Löw. „Wir haben in Norwegen angefangen, die Geschichte also von hinten aufgerollt. Die Zeit wurde immer besser, immer intensiver.“ Löw war bisher schon in einigen Kinofilmen dabei, hatte aber keine tragende Rollen. Den Uli spielt er mit einer bemerkenswerten Unerschütterlichkeit.

„Wir haben viel geprobt und uns Zeit genommen für die Figuren. Hier ging es auch um Entwicklungen.“ Regisseurin Heiss, die vorher den Film „Hotel Very Welcome“ gedreht hatte, erzählt diese im Grunde tragische Geschichte mit einer ganz besonderen Leichtigkeit. „So eine Gratwanderung hatte ich bis dahin noch nicht gelesen“, sagt Löw. Heiss konnte auch deshalb so überzeugend von der Krankheit erzählen, weil sie eigene Erfahrungen damit gemacht hat. „Es wurde kein Geheimnis darum gemacht. Trotzdem liefen wir nie Gefahr, dass es biografisch zu belastet ist.“

Der ruhige Typ, den Löw hier spielt, scheint er auch selbst zu sein. Seit vier Jahren ist er nicht mehr fest in einem Ensemble. „Das war nach zehn Jahren eine einschneidende Entscheidung. Ich genieße gerade sehr, dass alles möglich ist. Ich möchte das Theater aber auf keinen Fall verlieren.“ Und es ist ihm auch nicht abhanden gekommen. Im Thalia, in der Gaußstraße und im St. Pauli Theater steht er ab und zu auf der Bühne. Löw wirkt zufrieden mit der Situation, auch wenn seine Bilanz als freier Schauspieler durchwachsen ausfällt. „Frei zu arbeiten ist auch schwer. Die Hamburger Zeit war vom Ensemblegeist geprägt. Sozial hat der Abschied schon reingehauen.“

Aber er hat in dieser Zeit mit seiner Partnerin, der Regisseurin Jette ­Steckel, zwei Kinder bekommen. „Das fängt natürlich einiges auf, aber man hat ja vorher Theaterfamilie gelebt.“ Zurzeit inszeniert Steckel gerade in Wien am Burgtheater „Antigone“.

Eine andere Leidenschaft Löws ist, bei dem Namen ja auch kein Wunder, der Fußball. Sein Verein ist der SV Werder, denn er ist in Bremen geboren. „Aber hier halte ich zum FC St. Pauli.“ Es sind für ihn keine leichten Fan-Tage.

Aufgewachsen ist Löw in Stuttgart. Er schwätzt also Schwäbisch und passte damit genau in das Beuteschema von Ulrike Grote, die für ihre Mundart-Komödie „Die Kirche bleibt im Dorf 2“ jede Menge in Hamburg lebende Exil-Schwaben zusammengetrommelt hat. Am 24. Juni ist Hamburg-Premiere.

„Hedi Schneider steckt fest“ läuft im Abaton