Hamburg

Ein Abend über die große Liebe zur eigenen Kunst

Hamburg.  Der Auftrag der Hamburger Tanzkritikerin und -netzwerkerin Irmela Kästner an sechs frei schaffende Choreografen und Performer im Tanzzentrum K3 auf Kampnagel las sich ungewöhnlich. „Kritik üben“ sollten sie für die von ihr initiierte Performance „The Best. The Worst. My Everything“. Damit war ein Angebot zum gegenseitigen Erkunden und zur kollegialen Überprüfung der jeweiligen künstlerischen Positionen gemeint, das schließlich (auch) in einer gemeinsamen Bühnenaktion seinen Ausdruck finden sollte.

Während der zehntägigen Vorbereitung auf die Performance sind die Beteiligten einander offenbar unerwartet nahe gekommen. Die wie in einer Rennbahn der Antike an den Längsseiten sitzenden Zuschauer bekamen Bruchstücke von sechs denkbar unterschiedlich ausgeprägten Künstleridentitäten zu sehen, deren Dringlichkeit man sich nicht entziehen konnte.

Angela Guerreiro spuckte Ketchup-Blut und verausgabte sich tanzend und schreiend bis zu quälendem Husten. Arianne Hoffmann ließ in ihren ruckartig-prekären Tanzbewegungen etwas von den bedrängten Lebensumständen und dem fortwährend schwierigen Balanceakt ihrer Profession spüren. Josep García tanzte in allen Ecken des Saals munter nach, was er sich an Vorbildern auf den Laptop-Bildschirm lud. Jochen Roller verlas ein offenbar aus DDR-Zeiten stammendes Manifest und tanzte in der ihm eigenen minimalistischen Präzision. Robert Steijn zog sich nackt aus und vollführte einen Liegetanz in Slow Motion. Vania Rovisco verwandelte sich in eine suggestive, schreckenhafte, halb exhibitionistische Bühnenpersona.

Die Performance fand kein richtiges Ende, aber das war egal. Ein Abend voller Wut und Zartheit, über Vereinzelung und Solidaritätsversuche. Vor allem eine bewegende Lehrstunde über verzweifelte, unbedingte, bedingungslose Liebe zur eigenen Kunst.

Noch Sa/So, 16./17.5., jeweils 19.30 Uhr, Kampnagel