Menlo Park/Berlin

Verlage liefern ihre Artikel direkt an Facebook

Medienhäuser aus mehreren Ländern experimentieren mit „Instant Articles“ im Netz

Menlo Park/Berlin.  Facebook-Anwender sollen künftig Nachrichten und Multimedia-Reportagen noch schneller in der Smartphone-App des Online-Netzwerks finden und noch weniger Anlass haben, ins offene Web zu wechseln. Facebook kündigte am Mittwoch eine Kooperation mit einer Reihe internationaler Medienhäuser an. Mit an Bord sind aus Deutschland „Bild.de“ und „Spiegel Online“. In den USA sind die „New York Times“, „The Atlantic“, „National Geographic“ und das Portal „Buzzfeed.com“ dabei, in Großbritannien beteiligen sich BBC News und die Zeitung „Guardian“ an dem Projekt „Instant Articles“.

Die multimedialen Geschichten werden dabei auf der Smartphone-App von Facebook direkt im News-Feed der Anwender veröffentlicht. Sie müssen nicht wie bisher über einen Link von der Medien-Website geladen werden, sondern liegen bei Facebook selbst. Den Anfang machen die US-Verlage, zunächst nur in der iPhone-App von Facebook. Die anderen Plattformen wie Android und Windows sollen später dazukommen. Es wird noch etwas dauern, bis die Inhalte aus Deutschland in der App zu sehen sind.

Für die Medienhäuser ist vor allem die Zielgruppe bedeutend, die Facebook in seinen Apps versammelt. Interessant ist das Projekt für die Verlage aber auch, weil Facebook ihnen einen großen Spielraum einräumt. Das Netzwerk kümmert sich nicht darum, welche Texte, Bilder oder Videos veröffentlicht werden. Gleichzeitig bietet es eine wirtschaftliche Perspektive: Wenn die Verlage einen Werbe-Partner selbst gefunden haben, können sie die Erlöse komplett behalten. Kommt die Werbung aus dem Facebook-Netzwerk, werden 70 Prozent der Erlöse ausgeschüttet. Die Verlage haben dabei auch Zugriff auf Nutzerdaten, können also sehen, welche Artikel besonders populär sind. Man werde sich dabei an alle geltenden Datenschutzbestimmungen halten, betonen die Beteiligten.

Auf „Instant Articles“ sollen auch Finanzierungsformen erprobt werden können, die nichts mit Werbung zu tun haben, etwa bezahlpflichtige Abos. Kritiker befürchten, dass die Verlage sich damit noch stärker in die Abhängigkeit von US-Internetkonzernen begeben würden.