Kultur

Abschied vom Dorfbullen Horst Krause

Horst Krause stellt seit nunmehr 26 Fällen des „Polizeirufs 110“ die Verkörperung des gemütlichen Dorfbullen dar, kaum weiter gekommen als bis zur Ostsee, Buletten-Genießer und Hundeliebhaber – ein Klischee der provinziellen Authentizität. Selbstredend will so einer keine Abschiedsfeier, kein großes Trara um seine Person, wenn der letzte Fall nach 17 Jahren zu den Akten gelegt werden kann.

In diesem geht es um einen jungen „Ikarus“, der im Baumwipfel gefunden wird, aus einem Flugzeug gestürzt. Während der Schwerverletzte im Koma liegt, fehlt von der Maschine jede Spur. Als sie dann gefunden wird, entdecken die Ermittler eine Mitfliegerin, eine Tasche mit 750.000 Euro und einen manipulierten Gurt, der einen Mordversuch nahelegt. Krause und seine Vorgesetzte Olga Lenski (Maria Simon) müssen eintauchen in ein verwirrendes Geflecht, in dem die Liebe ein Motiv sein könnte – oder auch das Geld.

Regisseur Peter Kahane und sein Autor Uwe Wilhelm lassen Lenski und Krause mit Empathie und Intuition in den Dreiecksbeziehungen ermitteln, die sich um die Fliegenden, um deren Familien und ein strauchelndes Unternehmen gesponnen haben. Zugespitzt ließe sich formulieren: Die Filmemacher haben für Krauses Abschied den perfekten Krause-Film gedreht. Da passt es, dass der Polizeihauptmeister den Abgestürzten persönlich kennt.

Mit Krauses Leutseligkeit und seiner störrischen Entschleunigung ist es nun vorbei: Er packt seinen geliebten Hund Vera ein und sucht das Weite. Am Ende ist die Landstraße offen und voller Möglichkeiten und Ziele, die es anzusteuern lohnte.

„Polizeiruf 110: Ikarus“, So, 20.15 Uhr, ARD