Hamburg

Nur noch 439 Arbeitstage

Die Spielzeit 2015/16 soll die letzte Laeiszhallen-Saison vor der Eröffnung der Elbphilharmonie sein

Hamburg. Erste Umzugskartons packt Generalintendant Christoph Lieben-Seutter in seinem Büro am Brahmsplatz noch nicht. Aber dass es ernster wird beim Countdown Richtung Elbphilharmonie, das zeigt jetzt auch das Programm der Spielzeit 2015/16, der nun wohl letzten Saison, die ohne Termine im neuen Konzerthaus konzipiert wurde.

Für eine ziemlich neue Klangfarbe sorgen die „Nordic Concerts“-Abende, denn sie sind ausschließlich mit Wegbereitern der Originalklangbewegung besetzt: Altmeister Nikolaus Harnoncourt und sein Wiener Concentus Musicus kommen, um Beethovens Neunte gegen den Mainstreamstrich zu bürsten. John Eliot Gardiner und die English Baroque Soloists lassen Gluck anders entdecken. Marc Minkowski und seine Musiciens du Louvre erkunden Mozarts Requiem. Besonders gespannt darf man auf den Griechen Teodor Currentzis sein, der gemeinsam mit der Geigerin Patricia Kopatchinskaja das Beethoven-Konzert auf den Interpretationsprüfstand stellt.

Kopatchinskaja ist eine weitere interessante Größe im Sortiment, denn sie wird neben der Mezzosopranistin Magdalena Kozena die zweite Residenzkünstlerin sein. Beide geben je vier Konzerte, bei beiden ist die programmatische Spannweite enorm: Kozena singt auch ein Cole-Porter-Programm, Kopatchinskaja kombiniert, am Klavier begleitet von Markus Hinterhäuser, dem nächsten Intendanten der Salzburger Festspiele, Mittelalterliches mit Bekenntniswerken der Schostakowitsch-Schülerin Ustwolskaja.

Bei den „Internationalen Orchestern“ fällt ein Name besonders auf: Andris Nelsons. Der Lette stellt das Lucerne Festival Orchestra vor und ebenso seine „Neuen“ aus Boston. Stammgast in Lieben-Seutters Spielplan ist auch in dieser Saison die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit ihrem Chef Paavo Järvi. Das Jerusalem Quartet bietet die Klassiker von Bartók an.

Für Beiträge zum Programmprofil sorgen mehrere konzertante Opern, vom „Freischütz“ mit NDR-Chef Thomas Hengelbrock bis zu Bernsteins Operette „Candide“ mit Symphoniker-Chef Jeffrey Tate. Gegen Ende der Spielzeit soll das zweite „Internationale Musikfest“ erneut vier Wochen lang vorhandene Kräfte, Ideen und Künstler bündeln. Das Motto: „Freiheit“, es wird unter anderem um Beethoven, Brahms und verfemte Komponisten gehen. Details dazu gibt es im Herbst.

Auch an den Programmrändern – dort, wo neues Publikum gewonnen werden soll – tut sich einiges: Die NDR-Reihe „das neue werk“ bringt sich beim „Greatest Hits“-Festival ein, und die Freistil-Elektronica-Reihe „ePhil“, die bislang in Elbphilharmonie-Sichtweite im KörberForum beheimatet war, zieht in den Medienbunker an der Feldstraße, in den „resonanzraum“ vom Ensemble Resonanz.

Weitere Informationen: www.laeiszhalle.de