Berlin

Konfessionslose Vertreter sollen in den Fernsehrat

61 Prozent der Deutschen lehnen größeren Einfluss von Religionsvertretern ab

Berlin.  61 Prozent der Deutschen sprechen sich laut einer aktuellen Umfrage dafür aus, dass neben Vertretern verschiedener Religionen auch Konfessionslose einen Repräsentanten im ZDF-Fernsehrat haben sollen. 31 Prozent seien dagegen, acht Prozent hätten keine Angaben gemacht, teilte die Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland am Montag in Berlin mit. Zugleich lehnten 60 Prozent einen größeren Einfluss der Religionsvertreter in dem Aufsichtsgremium ab. Die Forschungsgruppe gehört zur kirchenkritischen Giordano-Bruno-Stiftung, die bei dem Meinungsforschungsinstitut Emnid eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben hatte.

Hintergrund der Befragung ist die Novelle des ZDF-Staatsvertrags, auf die sich die Ministerpräsidenten Ende März geeinigt hatten. Demnach wird der ZDF-Fernsehrat von 77 auf 60 Sitze verkleinert. Die evangelische und die katholische Kirche sollen weiter je zwei Vertreter stellen, der Zentralrat der Juden in Deutschland einen. Jeweils einen Sitz behalten auch die christlichen Sozialverbände Diakonie und Caritas. Ein Vertreter der Muslime wird künftig über das Land Niedersachsen entsandt.

Dadurch steige der Stimmenanteil religiöser Repräsentanten deutlich, kritisierte die Forschungsgruppe Welt­anschauungen. Die Interessen der rund 27 Millionen Bürger, die keiner Religion angehörten, blieben im Fernsehrat weiterhin unberücksichtigt. Dabei hätten in der Emnid-Umfrage 51 Prozent der Katholiken, 63 Prozent der Protestanten, 66 Prozent der Muslime und 73 Prozent der Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften für eine Interessenvertretung religionsfreier Menschen im ZDF-Fernsehrat votiert.

Der neue ZDF-Staatsvertrag soll auf der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am 18. Juni unterzeichnet werden. Anlass für die Überarbeitung des Gesetzeswerks war ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wonach politische Vertreter derzeit einen zu großen Einfluss in den Aufsichtsgremien des Senders haben.