Hamburg

Ein investigativer Journalist der alten Schule

Klaus Bednarz, der langjährige Moderator des Politmagazins „Monitor“, ist tot

Hamburg.  Bei einigen wenigen Journalisten zeigt sich ihre Wirkung nicht nur in den Preisen, die ihnen verliehen werden. Sondern – vielleicht sogar noch stärker – in der Reaktion derjenigen, über die sie berichten, die sie kritisieren. Klaus Bednarz, der am Dienstag im Alter von 72 Jahren gestorben ist, gehörte zu ihnen.
Ausgezeichnet wurde er nicht nur mit zwei Grimme-Preisen, einer Carl-von-Ossietzky-Medaille, einer Goldenen Kamera, um nur einige zu nennen. Sondern eben auch durch einen wutentbrannten Franz Josef Strauß, der einmal gegen die „rote Reichsfernsehkammer“ wetterte. Und durch den CSU-Bundestagsabgeordneten Lorenz Niegel, der 1989 vergeblich Anzeige gegen Bednarz erstattete, weil dieser zur Fahnenflucht aufgerufen hatte. In einer Ausgabe von „Monitor“ hatte er gesagt: „Ich persönlich kann nur hoffen, dass – sollte jemals wieder in Europa ein Krieg ausbrechen – möglichst viele Soldaten desertieren. Möglichst am ersten Tag, in der ersten Stunde.“ Bednarz hatte das Talent, mit seinen Geschichten einen Nerv zu treffen, beim Fernsehpublikum genauso wie bei den Menschen, denen er seine journalistische Aufmerksamkeit widmete.

Gegen eine Zuordnung ins linke Lager wehrte sich Bednarz allerdings stets. Er sei vielmehr stolz darauf, dass sich seine Redaktion „mit allen politischen Lagern angelegt habe“. Dass seine Recherchen überwiegend konservative Politiker trafen, war eben der Tatsache geschuldet, dass der überwiegende Teil seiner 18 Jahre als Moderator des Politmagazins „Monitor“ in die Regierungszeit Helmut Kohls fiel. Und tatsächlich waren es nicht nur Christsoziale und -demokraten, die ihre Not mit Bednarz’ mahnenden, anprangernden Worten hatten.

Bednarz war nie ein Parteigänger, immer journalistisch distanziert und integer

Auch Politiker von SPD und Grünen arbeiteten sich an ihm ab, die Stasi ließ ihn überwachen. KGB und BND versuchten hingegen – so erzählte es Bednarz 2001 der „Zeit“ – ihn anzuwerben. Sie hatten genauso wenig Erfolg wie alle anderen, die ihn auf seine Seite ziehen wollten: Bednarz war nie ein Parteigänger, immer journalistisch distanziert und integer, schon vor seiner Zeit bei „Monitor“. Er war Auslandskorrespondent der ARD in Warschau und Moskau, leitete das „Auslandsstudio“ und moderierte die „Tagesthemen“. Erinnern wird man sich aber in erster Linie an „Monitor“, dieses Magazin, das in den 80er-Jahren bis zu neun Millionen Menschen einschalteten. Und das, ohne „irgendeinen Medien-Schnickschnack“ mitzumachen, wie es Bednarz einmal ausdrückte. Das hieß: Die Inhalte sollten die Sendung tragen. Es gab kein schickes Studio, keine Hochglanzbilder. Nur Klaus Bednarz und die unbequemen Geschichten: Diskriminierung, Machtmissbrauch, Ausbeutung, Umweltsünden. Das Bild, das er von Deutschland zeichnete, konnte einen verzweifeln lassen. Oder anspornen, es besser zu machen.

Der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor übertreibt nicht, wenn er Bednarz einen „Pionier des investigativen Journalismus“ nennt, ein „Vorbild für viele Journalistinnen und Journalisten“. Er war vielleicht keine singuläre Gestalt, und auch er war nicht vor Fehlern sicher. Aber er war, wie Georg Restle, der heutige Redaktionsleiter und Moderator von „Monitor“ es formuliert, mit Sicherheit „einer der ganz Großen im deutschen Journalismus“. Bednarz habe immer unbequem sein wollen „und er war es im besten Sinne“. Ein Kompliment, das dem Journalisten, der so viel Wert auf eine klare Haltung legte, sicher gefallen hätte: Den Vorwurf, ein „Moralapostel“ zu sein, konterte Klaus Bednarz gern mit der Frage, ob man in ihm „lieber einen unmoralischen Journalisten sehen“ wolle.