Literatur

Irvine Welsh präsentiert seinen neuen Roman im Abaton

Denkt sich immer wieder was Neues aus: Irvine Welsh, 56, wurde dank seines Romandebüts „Trainspotting“ und die gleichnamige Verfilmung bekannt

Denkt sich immer wieder was Neues aus: Irvine Welsh, 56, wurde dank seines Romandebüts „Trainspotting“ und die gleichnamige Verfilmung bekannt

Foto: picture alliance

In dem neuen Roman des schottischen Schriftstellers „Das Sexleben siamesischer Zwillinge“ geht es um Körperkult und Fitnesswahn.

Abaton. In der jüngeren Vergangenheit ist Irvine Welsh vor allem als Patriot in Erscheinung getreten. Er machte sich sehr deutlich für die schottische Unabhängigkeit stark. Aus der wurde ja bekanntermaßen nichts, was den leidenschaftlichen England-Kritiker („Großbritannien ist erledigt“) sicher nicht erfreut hat.

Das Gute ist, eine Literaturfachkraft wie Welsh kann viele Dinge gleichzeitig: Braveheart sein und Romanverfasser. Deswegen sind seit 1993 neun Romane von Irvine Welsh erschienen, also praktisch alle zwei Jahre einer. Dazu kommen noch manche Erzählbände – der Mann ist nicht faul und sicherlich kein Ein-Hit-Wunder.

Dabei hat er trotzdem ein wenig mit dem Problem des perfekten Erstlings zu kämpfen, was ja immer auch etwas unfair ist. „Trainspotting“, Welshs drogengesättigte Edinburgh-Saga, wurde besonders durch die Verfilmung mit Ewan McGregor international bekannt – und ließ den 56-Jährigen nicht zur literarischen Ruhe kommen: Erst schrieb er eine „Trainspotting“-Fortsetzung, die tatsächlich „Porno“ hieß, dann schob er noch „Skag­boys“ nach, es ist die Vorgeschichte von „Trainspotting“.

Sein ganz neuer Roman trägt den nicht uninteressanten Titel „Das Sexleben siamesischer Zwillinge“. Welsh stellt ihn am heutigen Montag im Abaton vor, in dem sich also jeder einen Eindruck von Welshs romantischen Studien machen und gleichzeitig versuchen kann, schottisches Englisch zu verstehen. In „Das Sexleben siamesischer Zwillinge“ geht es um Körperkult und Fitnesswahn. Grob gesprochen.

Es geht um eine andere Art von Droge als die, die Welsh in seinen anderen Büchern besingt und verdammt. Es geht um Lucy Brennan, die härteste Fitnesstrainerin von Miami Beach, die plötzlich zur Medienberühmtheit wird. Sie wird dabei gefilmt, wie sie mit einem derben Fußtritt einen Amokläufer zur Strecke bringt. Damit wird man natürlich zum Star. Allerdings tritt bald ein Gegenentwurf zum komplett durchdesignten Körperwesen Lucy Brennan auf: die dicke Nudel Lena Sorenson. Die beleibte Künstlerin will ein Personal Training bei Lucy machen – doch deren erbitterter Kampf gegen die Fettleibigkeit gerät dabei fortan außer Kontrolle.

Irvine Welsh Moderation und Lesung der deutschen Textpassagen: Nagel (Thorsten Nagelschmidt) Mo 13.4. 20.00, Abaton (Bus M4, M5), Allende-Platz 3. Karten zu 10 /ermäßigt 8 Euro; www.abaton.de