Berlin

„Twin Peaks“ wird 25 Jahre alt. Neue Folgen in 2016?

| Lesedauer: 3 Minuten
Christoph Bock

Skurril, geheimnisvoll und einflussreich: David Lynchs Serie schrieb TV-Geschichte

Berlin.  Ein Kleinwüchsiger, ein Riese, ein Einarmiger, telepathische Holzscheite, unschuldige Teenager, mordende Bestien und mittendrin ein schräger FBI-Agent: Als die Serie „Twin Peaks“ Anfang April 1990 erstmals im US-Sender ABC lief, mussten Zuschauer viele Sehgewohnheiten über Bord werfen. Darsteller sprachen zuweilen rückwärts. Irgendwann wurde sogar eine arme Frau in einen Möbelknauf verwandelt. In dieser Serie war vieles unwirklich und alles möglich.

Dennoch war das Projekt von David Lynch („Mulholland Drive“) und Mark Frost („Fantastic Four“) so famos inszeniert, dass es TV und Mode der frühen 90er prägte – bis hin zum allgegenwärtigen Holzfällerhemd. Manche Serien wie „Akte X“ wären ohne „Twin Peaks“ kaum denkbar.

Das Tändeln zwischen Horrorfilm und Soap deutet sich schon im Vorspann an. Das Magazin „Rolling Stone“ bezeichnete die Musik von Angelo Badalamenti später als den „einflussreichsten Soundtrack der TV-Geschichte“. Während eine E-Gitarre sanft den Takt vorgibt, hebt ein kleiner Buschzaunkönig den Kopf. Die Kamera zeigt Rauch, der aus altertümlichen Schloten in den Winterhimmel aufsteigt. Lange sind dann nur noch funkensprühende Kreissägen zu sehen. Dann endlich der Schriftzug „Twin Peaks“ und das Ortsschild mit der Einwohnerzahl 51.201. Dahinter kommt die doppelte Bergspitze, die der Serie den Namen gab, ins Bild.

Die Handlung von „Twin Peaks“ kann man ausgesprochen kurz oder ausgesprochen lang erzählen. Die kurze Version: Im Holzfäller-Kaff Twin Peaks im US-Staat Washington wird die Schülerin Laura Palmer ermordet, nach einigen Umwegen kommt heraus, der Vater war's. Die lange Version ist verwinkelt, düster, schräg und widersprüchlich. Kyle MacLachlan (er hatte ebenso wie der Komponist schon bei „Blue Velvet“ mit Lynch gearbeitet) spielt FBI-Special-Agent Dale Cooper. Immer freundlich, immer aufgeräumt, immer wie aus dem Ei gepellt. Seine Kollegin heißt Diane und ist ein schwarzes Diktiergerät, von dem man nie erfährt, ob es je abgehört werden wird. „Diane, 11 Uhr und 30 Minuten. 24. Februar. Ankunft in der Kleinstadt Twin Peaks. Sieben Kilometer südlich von Kanada, 15 Kilometer westlich von der Staatsgrenze. Ich hab noch nie so viele Bäume auf einmal gesehen.“

Kirschkuchen, dazu eine Tasse Kaffee, schon ist die Welt fast in Ordnung

Cooper kann sich immer wie ein Kind über Kirschkuchen und heißen Kaffee freuen. Seine erste Frage in der Mordsache Laura Palmer: „Sheriff, was sind das für fantastische Bäume, die hier überall in der Gegend wachsen?“ Der FBI-Mann ist unorthodox und entscheidet seine Ermittlungstaktik zuweilen mit einer Art Dosenwerfen.

Wäre es nach Lynch und Frost gegangen, der Mörder der hübschen Laura (Sheryl Lee) wäre nie verraten worden. Doch sie mussten dem Druck der Geldgeber nachgeben. Danach war viel Luft raus, auch wenn die Serie dank guter Gastregisseure stark blieb.

Für „Twin Peaks“ geht es weiter: Produzent Frost will neue Folgen drehen, die 2016 ausgestrahlt werden könnten. Mit Regisseur Lynch kann er allerdings nicht rechnen. Der verkündete am Sonntag via Twitter seine Absage: „Nach einem Jahr und vier Monaten bin ich aus den Verhandlungen ausgestiegen, weil für die Bücher nicht genug Geld zur Verfügung steht, sie so umzusetzen, wie ich es tun möchte.“