Nowosibirsk

Proteste nach „Tannhäuser“-Absetzung in Nowosibirsk

Nowosibirsk.  Nach dem Absetzen einer Inszenierung von Wagners „Tannhäuser“ haben in der russischen Stadt Nowosibirsk etwa 2500 Menschen gegen „Kirchenradikalismus“ und Zensur protestiert. Die Demonstranten forderten die Wiederaufnahme des von der orthodoxen Kirche kritisierten Stücks und den Rücktritt von Kulturminister Wladimir Medinski, wie die Agentur Interfax am Sonntag meldete. Auch der neue Operndirektor Wladimir Kechman müsse abtreten. Er hatte das Stück von Regisseur Timofej Kuljabin vor kurzem abgesetzt. Kechmans Vorgänger Boris Mesdritsch war entlassen worden, weil er Änderungen an der vom Publikum gelobten Regie abgelehnt hatte.

Der Skandal gilt als beispiellos in Russland. Menschenrechtler und Künstler werfen dem Kulturministerium Zensur vor. Kirchenführer hatten Kuljabin und Mesdritsch wegen Verletzung religiöser Gefühle angezeigt. In einer Szene der Inszenierung ist Jesus als Filmfigur mit halb nackten Frauen zu sehen. Das Ministerium hatte kritisiert, solche Szenen seien in einem mit Steuergeldern finanzierten Staatstheater „unzulässig“. Zuletzt war es auch zu Protesten von Gegnern der Aufführung gekommen.

( dpa )