Winterhuder Fährhaus

Das Stück „Paarungen“ ist eine Komödie mitten aus dem Leben

Foto: pa

Die französische Komödie „Paarungen“ feierte im Winterhuder Fährhaus eine ausgesprochen gelungene Premiere. Das moderne Stück hält fürs Publikum einige überraschende Volten bereit.

Hamburg. Mit Lebensweisheiten ist es ja so eine Sache: Manche bewahrheiten sich sogar im Theatersaal. Da philosofaselt ein in die Jahre gekommener, zur Scheidung entschlossener Ehemann auf der Bühne vor einem befreundeten Ehepaar und seiner neuen Flamme: „Es gibt Ehepaare, die sich hier und da ein bisschen betrügen, manche sogar ein bisschen mehr, und die trotzdem eine großartige Partnerschaft führen.“ Prompt erntet er aus dem Rang ein zustimmend-hämisches „Ja!“ einer Betroffenen. Das Publikum lacht, applaudiert, und der Mime hat inmitten seiner prustenden Kollegen Mühe, den Nachsatz zu sprechen: „Und es gibt treue Eheleute, die die Hölle durchleben.“

Nicht erst dieser Vorfall bei der Premiere in der Komödie Winterhuder Fährhaus zeigte, dass diese „Paarungen“ mitten aus dem Leben stammen können. Das gelungene moderne Stück Konversationstheater hält fürs Publikum, aber auch für die Darsteller einige überraschende Volten bereit.

Vor allem für Paul (Peter Prager), der sich nach 25 Jahren von seiner Frau trennen will. „Paul fand sie zu fett!“, pflichtet ihm sein Freund Stephan (René Steinke) bei. Stephans Gattin Katharina (Katja Weitzenböck) ist – trotz Entspannung beim Yoga – derart erbost, dass sie die Verabredung zum Essen platzen lassen und die Freundschaft aufkündigen will. Da kann Paul, bisher ein durchschnittlicher Vertreter von Einbauküchen, so oft er will mit seinem Lottogewinn von 16 Millionen Euro prahlen und die „Freundschaftsprämie“ von 500.000 auf eine Million erhöhen. „Verrücktheit ist ein Luxus, den sich nicht jeder leisten kann“, protzt Paul.

Dazu passt seine fast drei Jahrzehnte jüngere neue Freundin Elisa (Nina Bott), in ihrem kleinen engen Schwarzen und schwarzen Stiefeln für Katharina schlicht „die Schlampe“. Stephan sitzt ob solch undamenhafter Bemerkungen wie ein begossener Pudel zwischen den Stühlen. Zumal er doch Elisa und Paul erst zusammengebracht hat...

In Eric Assous’ Stück senkt und hebt sich zwischen diesen Szenen (einer Ehe) und einer sich anbahnenden Verlobung immer wieder der Vorhang – auch für Rückblenden, sichtbar an rückwärts laufenden Bildern im Großstadtverkehr auf dem Stoff. Untermalt von Songs wie „Weil es so schön war“ (Element Of Crime) gelingt es Regisseurin Bettina Rehm mit weiblicher Intuition geschickt, die zwei Männer und zwei Frauen auf der Bühne zu führen, ohne sie in ihren Rollen vorzuführen.

Die Hamburgerin Nina Bott, einst in der RTL-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ bekannt geworden, sucht als begehrte Elisa doch mehr als bloß ihren „Mr. Rich“. René Steinke beweint als langjähriger Ehemann Stephan vermeintlich den Tod der Schwiegermutter und folgt dann doch dem männlichen Lustprinzip. Katja Weitzenböck zeigt sich als Ehefrau nicht nur bei ihren Yoga-Übungen lange Zeit überzeugend standhaft. Und Peter Prager setzt als neureicher Noch-Ehemann und Neu-Verlobter auf Ab- und Irrwegen dem Ganzen komödiantisch die Krone auf. Mit seinem „Ring of Fire“, einem Rubin, macht er nicht nur Frauen froh. Aber die Macht des Geldes ist schließlich nicht alles.

Obwohl das Stück im zweiten Teil etwas kurz geraten ist, dürften Paare, die es sind, bleiben wollen oder werden könnten, an „Paarungen“ ihr Vergnügen haben. Singles ohnehin. Und mit Eric Assous’ Stoff zeigt sich nach Florian Zellers „Eine Stunde Ruhe“ (im St. Pauli Theater) einmal mehr, wie sehr es französischen Autoren liegt, Komödien zu schreiben, ohne dass diese ins platte Boulevardtheater abgleiten müssen.

„Paarungen“ bis 15. März., tägl. außer Mo, Winterhuder Fährhaus, Karten unter der HA-Ticket-Hotline T. 30 30 98 98; www.komoedie-hamburg.de