Kunst ist schön tanzbar

Britischer Synthie-Pop mit Zoot Woman am 18. Januar im Uebel & Gefährlich

Seit 19 Jahren schon gibt es Zoot Woman. 1995 wurde die Synthie-Popband von Adam Blake und Stuart Price als Instrumental-Combo gegründet, später kamen Blakes Bruder Johnny als Sänger und Jasmin O’Meara (Keyboards, Gesang) hinzu.

Vier Alben hat die englische Gruppe bisher herausgebracht, eine vergleichsweise magere Ausbeute und eine Erziehung der Fans zur Geduld. Einer der Gründe dafür sind die vielen Produzenten-Jobs, die Stuart Price in den vergangenen zehn Jahren zu erledigen hatte. Weil er so ein gutes Gespür für coole Synthie-Beats hat, sicherten sich Künstler wie Madonna, Seal, The Killers und die Scissor Sisters die Dienste des Keyboarders.

Selbst die Pet Shop Boys, die Zoot Woman maßgeblich beeinflusst haben, wollten mit Price arbeiten. Wenn die Band auf Konzertreisen geht, ist er meistens nicht mehr dabei – ähnlich wie früher Brian Wilson von den Beach Boys, der die Tüftelei im Studio dem Tourleben vorzog. Auch auf den Bandfotos sind mittlerweile nur noch die Blake-Brüder zu sehen. Aber Price bleibt Herz und Hirn des Trios.

Im vergangenen Jahr ist endlich wieder ein neues Album von Zoot Woman erschienen, fünf Jahre nach „Things Are What They Used To Be“. „Star Climbing“ heißt die neue Platte und sie knüpft mit ihren eleganten Disco-Sounds an die Vorgänger-Platten an – ohne jedoch ganz die Qualität des Debüts „Living In A Magazine“ aus dem Jahr 2001 zu erreichen.

Aber das Album mit der genialen Single „It’s Automatic“ ist auch ein Meilenstein des Genres und hat die Qualitäten einer Greatest-Hits-Platte. Aktuelle Nummern wie „Don’t Tear Yourself Apart“ oder „The Stars Are Bright“ sind wieder herausragende Beispiele für die Kunst der Band, melancholischen Gesang und coole Tanzmusik miteinander zu verbinden. „Star Climbing“ funktioniert im Club ebenso wie im Autoradio. Es bietet Klänge, zu denen man in mäßiger Geschwindigkeit bei einem Sonntagsausflug über einsame Landstraßen fahren könnte.

Auch ohne ihr Mastermind Stuart Price hat Zoot Woman sich in den vergangenen 15 Jahren zu einer mitreißenden Liveband entwickelt. Die Briten gelten immer noch als coole urbane Band, für Teens und Konzertgänger der Generation Ü40 gleichermaßen. Die Electroclash-Pioniere verbinden die 80er-Jahre, als Synthie-Pop populär wurde, und die Gegenwart. Ihr Disco-Sound hat kein Verfallsdatum, er überzeugt durch makellose Eleganz und lässige, fast sanfte Rhythmen. Es geht Stuart Price und den beiden BlakeBrüdern darum, möglichst perfekte Pop-Klassiker im Drei-Minuten-Format zu schreiben. Mit „Star Climbing“ haben sie wieder eine ganze Reihe solcher eingängiger Songs geschrieben, auch zwei Instrumentals finden sich auf der Platte – eine Reminiszenz an die Anfangsphase der Band in der Mitte der 90er-Jahre.

Wenn Zoot Woman am 18. Januar zu ihrem Konzert ins Uebel & Gefährlich kommt, wird das Duo übrigens von einer interessanten jungen Band aus Berlin begleitet. Das Quintett um den früheren NIAS-Sänger Nikolas Tillmann nennt sich Le Very und hat gerade mit „Playground“ eine erste EP veröffentlicht. Das Vorprogramm bietet einen guten Kontrast zu Zoot Woman, denn Le Very ist eine Electronica-Band mit Ecken und Kanten.

Zoot Woman, Le Very So 18.1., 20.00, Uebel & Gefährlich (U Feldstraße), Feldstraße 66, Karten zu 23,25 im Vorverkauf; www.zootwoman.com