Wenn wir plötzlich alle Beamte wären

Die ARD testet die Sketch-Comedy „Stell dir vor...!“ im Vorabendprogramm. Die Originalfassung gewann gerade erst einen International Emmy

Es ist eine der ältesten Fragen überhaupt: Was wäre wenn? Sie ist der Ausgangspunkt der Sketch-Comedy „What if“. Die belgische Serie ist seit 2012 mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, vor wenigen Tagen erst mit dem International Emmy. Jetzt kommt sie unter dem Titel „Stell dir vor...!“ nach Deutschland. Am heutigen Freitag läuft der Pilotfilm.

Jeder Sketch beginnt mit einer Prämisse. Zum Beispiel: Stell dir vor, jeder würde wie ein Beamter ticken! Während dieser Satz eingeblendet wird, überlegt man sich schon einmal spekulierend, welche Konsequenzen das haben könnte. Es folgt eine kleine Spielszene. Drei Polizisten in schwerer Schutzmontur pirschen sich mit gezogenen Waffen an eine Gruppe Gangster heran, die sich an Fässern zu schaffen macht. „Uhrenvergleich“, flüstert einer der Gesetzeshüter und zählt. „Fünf, vier, drei zwei, eins. So, das war’s. Es ist fünf Uhr. Feierabend!“ Die Beamten lassen die Waffen sinken und schlendern durch die Lagerhalle, wo die Gangster sie alarmiert erblicken und nun ihrerseits die Waffen zücken. „Mensch, Junge, ist fünf Uhr“, erinnert der Polizist. „Okay, dann bis morgen“, reagiert der Gangster und steckt seine Waffe wieder ein. „Morgen?“, fragt der Uniformierte. „Ist doch Christi Himmelfahrt.“ „Dann übermorgen“, schlägt der mutmaßliche Dieb vor. „Brückentag“, bekommt er zu hören. Dann einigen sich alle auf den Montag, um ihr Räuber-und-Gendarm-Spiel fortzusetzen.

Oder: Stell dir vor, man dürfte nur betrunken Auto fahren! Ein Paar gerät mit seinem Auto nachts in eine Verkehrskontrolle. „Haben Sie Alkohol getrunken?“, fragt der Polizist den Fahrer, der keine Hose anhat und ihn aus glasigen Augen ansieht. „Ja sicher“, antwortet der lallend. „Alles, was ging.“ „Das sieht ja alles ganz gut aus“, findet der Polizist. „Er hat wirklich wahnsinnig viel getrunken“, stimmt ihm die Beifahrerin zu. Zur Belohnung gibt es vom Beamten einen Schlüsselanhänger mit einer kleinen Bourbon-Flasche. „Für den Notfall“, sagt der Polizist noch, dann darf das Paar weiterfahren. Kaum sind sie wieder unterwegs, sagt der Fahrer zu seiner Partnerin: „Das war knapp.“ „Ja wirklich. Hast du super gemacht“, antwortet sie. „Kannst du mir bitte noch meine Hose wiedergeben?“, fragt er sie stocknüchtern.

Die Lust am Absurden spürt man als roten Faden in dieser Sendung. Schon die Prämissen sind jeweils schräg, die „Antworten“ setzen jeweils noch eins drauf. Die Antwortfilme sind nicht mit Comedians besetzt, sondern mit Schauspielern. Mit dabei im achtköpfigen Ensemble sind die Hamburger Stephanie Müller-Hagen, Torsten Hamann und Hendrik von Bültzingslöwen. Sie versuchen sich mit einer Buster-Keaton-Mimik durch die teilweise grotesken Situationen zu retten.

Belgier pflegen im Fernsehen und auch in Kinofilmen gern ihre Vorliebe für schrägen Humor. Die Kreativität belgischer TV-Produktionen steht in der Branche hoch im Kurs. Der Humor ist hier auf so allgemeingültige Phänomene angewandt, dass er auch im Ausland viele Freunde gefunden hat. Die Sketch-Comedy ist ein Exportschlager, der schon nach Kanada, China, Tschechien, Estland, Frankreich, Portugal, Russland, Ukraine und Norwegen verkauft werden konnte.

Die Resonanz auf die Pilotfolge wird wohl darüber entscheiden, ob weitere folgen werden. Mal sehen, ob es dem Publikum gefällt, sich Aufforderungen wie dieser zu stellen: Stell dir vor, Hooligans wären intellektuell! Drei Männer stehen in Fan-Kluft in einer Kneipe und diskutieren. „Meines Erachtens war das Verhalten des Gegners absolut unangemessen und in dieser Form deutlich zu kritisieren. Gerade unter Berücksichtigung humanitärer Aspekte sind die getätigten Äußerungen aufs Schärfste zu verurteilen.“

„Stell dir vor...!“ Fr, 19.10 Uhr, ARD