Vom Hip-Hop zum Pop

Mit seinem ersten Nummer-eins-Album gastiert Clueso am 8. Dezember in der O2 World

Clueso lässt gerade von einem Freund sein Archiv sichten. Mit Aufnahmen, die bei unzähligen Sessions entstanden sind. „Mensch, Cluesen, was bist du eigentlich für ein Horst? Du musst nicht mehr einen einzigen Song schreiben. Da liegt alles rum, Tausende von Ideen, die du nur umsetzen musst“, sagte er. „Das ist ein ganz gutes Gefühl, so viel Material zu haben und damit machen zu können, was man will“, findet auch der Popsänger aus Erfurt. Denn inzwischen hat er sein eigenes Label gegründet, den Zughafen. Zwar sei er bei Four Music zufrieden gewesen, doch die Eigenständigkeit gebe ihm erheblich mehr Freiheit, erklärt der 34 Jahre alte Künstler, der sich vom Hip-Hop zum Pop entwickelt hat und zu einem der erfolgreichsten Musiker in Deutschland geworden ist.

Für „Stadtrandlichter“ hat Clueso jedoch noch neue Lieder geschrieben und sich nicht im Archiv bedient. Drei Jahre nach „An und für sich“ kommt er mit neuen Songs auf Tournee. Nachdem er beim letzten Mal noch in der Sporthalle gastierte, wurde jetzt die größere O2 World gebucht.

Mit „Stadtrandlichter“ erreichte er in diesem Jahr auch zum ersten Mal die Spitze der deutschen Charts. „Nachdem ,An und für sich’ etwas schwer wirkte, haben wir uns dieses Mal um etwas mehr Leichtigkeit bemüht“, sagt er. Cluesos neue Lieder zeichnen sich wieder durch eine große Melodiösität aus, es gibt romantische Nummern wie „Galerie“, aber auch rockige Songs wie „Alles leuchtet“ oder „Geradeaus“, für das Clueso sich von Neil Young und den Raconteurs beeinflussen ließ.

„Stadtrandlichter“ ist das erste Werk, das der Sänger, Songschreiber und Multiinstrumentalist in Eigenregie auf seiner eigenen Plattenfirma herausgebracht hat. Inhaltlich dreht es sich um Themen wie Weggehen und Zurückkommen, Clueso blickt bei „Nebenbei“ in seine Vergangenheit zurück, andere Lieder sehen in die Zukunft. „Bin geflohen vor all dem Krach“, singt er in „Pack meine Sachen“. Obwohl der Song schon sieben Jahre alt ist, stand er stellvertretend für den Druck, dem der Künstler durch die jüngsten Erfolge ausgesetzt war. Der Titelsong „Stadtrandlichter“ beschreibt die Kehrseite dieser Medaille. „Ich war so lange weg“ heißt es darin. „Er beschreibt das Vagabundenleben eines Musikers, die Heimkehr und dieses Gefühl, Sachen verpasst zu haben, als man unterwegs war.“

Zum ersten Mal seit längerer Zeit hat Clueso wieder länger in seiner Heimatstadt Station gemacht und dort intensiv an seiner neuen Platte gearbeitet. „Ich hatte wieder das Gefühl, als menschliches Wesen und nicht als Berühmtheit wahrgenommen zu werden“, erzählt er. Inzwischen ist er wieder „on the road“. Das Hamburger Konzert ist jedoch schon das vorletzte der aktuellen Tournee. Für den Abschluss gab es nur eine Option: Erfurt natürlich.

Clueso Mo 8.12., 20.00, O2 World (S Stellingen + Bus-Shuttle 380), Sylvesterallee10, Karten ab 50,70 im Vorverkauf; www.clueso.de