ZDFneo

Mit Drogen geht es nicht – wie aber geht es ohne?

Der Digitalkanal ZDFneo widmet dem Thema Süchte an diesem Donnerstag einen ganzen Fernsehabend mit Dokumentationen.

Für viele sind sie kaum mehr als Schreckgespenst, für andere ein mehr oder minder akzeptierter Teil ihres Lebens. Und wieder andere kämpfen mit ihnen, wollen raus aus dem aufgezwungenen Kreislauf. Süchte können viele Formen annehmen, längst nicht jeder, der Suchtverhalten zeigt, hat mit Drogen zu tun. Doch sind es Substanzen wie Heroin, Speed, Crack oder Kokain, an die wir zuerst denken, wenn das Thema Sucht aufkommt.

ZDFneo widmet der Abhängigkeit einen thematischen Schwerpunkt an diesem und an den kommenden Donnerstagen. Herzstück sind zwei mehrteilige Dokumentationen, dazu kommen verschiedene andere Formate wie die sechsteilige Reihe „RauschGIFT“, die zu später Stunde laufen.

In „Ausgekokst – Mein Drogentrip“ arbeitet der ehemalige Soap-Opera-Star Rainer Meifert seine zehn Jahre andauernde Kokain-Abhängigkeit auf. Vier Folgen zu jeweils 45 Minuten, die alle an diesem Donnerstag laufen, braucht er dafür, begegnet alten Freunden, die von der Droge kaputt gemacht wurden, Dealern, Fahndern und Hintermännern, reist in die Niederlande und das seit Jahrzehnten vom Drogenkrieg gebeutelte Kolumbien.

„Herr Eppert“ begegnet auf Augenhöhe

Zwar beleuchtet „Ausgekokst“ in Teilen sehr anschaulich und beizeiten tragisch die Auswirkungen der immer größeren Verbreitung des weißen Pulvers. Doch ist oftmals unklar, welche Szenen echt und welche nachgestellt sind: Hat ein Berliner Drogenkurier wirklich Meifert und sein Kamerateam in seinen Wagen gelassen, um Fragen nach seinem illegalen Tun zu beantworten? Was ist mit dem ehemaligen Mitbewohner, was mit den Base-rauchenden Junkies und den Schmugglern? Diese im Lauf der vier Teile immer wieder und immer stärker beim Zuschauer auftretenden Fragen schaden der an und für sich lobenswerten Aufgabe, die Auswirkungen des Kokain-Konsums auch über den Anwender hinaus darzustellen. Zudem wird man den Verdacht nicht ganz los, dass Meiferts eigentliches Anliegen die gut ausgeleuchtete Darstellung seiner Selbst auf dem Weg zur Besserung ist.

Weit gelassener geht Thorsten Eppert mit der Problematik rund um die Abhängigkeiten um. Und schon die streckenweise entwaffnende Offenheit und Neugier, mit der er Ärzten und Rechtsanwälten in einer Suchtklinik, Langzeitabhängigen in einem Drogenkonsumraum in Düsseldorf und Kindern von Alkoholkranken in Hamburg begegnet, machen den Auftakt des neuen „Herr Eppert“-Formats sehenswert. Die Lebensgeschichten der Abhängigen wie die der 52-jährigen Gabi, die davon erzählt, dass sie viel mehr Angst vor dem Krebs als vor der Spritze mit Heroin und Kokain hat, und die der Kinder von Alkoholikern, die sich mehr Sorgen um ihre Eltern machen als umgekehrt, sie berühren und machen deutlich, wie einschneidend außer Kontrolle geratenes Suchtverhalten nicht nur für die Süchtigen selbst ist.

„Herr Eppert“ begegnet seinen Gesprächspartnern auf Augenhöhe, ohne moralischen Zeigefinger, nimmt sie ernst und wird entsprechend ernst genommen. „Wie süchtig sind wir?“ lautet die Leitfrage, anhand derer Eppert durch Deutschland reist und zeigt, dass – in Teil eins – Substanzabhängigkeiten und – in Teil zwei, der am 20. November läuft – substanzlose Süchte weit mehr zum Alltag vieler Deutsche gehören, als man glauben möchte. Auch für Herrn Eppert selbst, der am Ende einmal mehr das Rauchen aufgibt – fast.

„Themenschwerpunkt Süchtig“ Do ab 20.15 Uhr, ZDFneo

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