Hamburger Band

Die Band Trümmer: „Mischung aus Hunger und Ungeduld“

Die junge Hamburger Band Trümmer gab ein starkes Konzert im Molotow. In der Musik hört man das Raue, das Knistern, das gute wilde Leben. Der Gesang reibt sanft auf und euphorisiert.

Hamburg. Thin Lizzys Hit „The Boys Are Back In Town“ tönt aus den Boxen des Molotow. Das passt. Denn die Band des Abends ist zurück in der Stadt. Nach elf Konzerten in elf Tagen. Zurück in Hamburg, wo sie gerade viermal für den Musikpreis Hans nominiert worden ist. Doch bevor Trümmer den Kiezclub wie ein Gewitter aufladen wird, tritt Sänger und Gitarrist Paul Pötsch ans Mikro.

„Wir wollen euch nicht irgendeine langweilige Vorband vor den Latz knallen“, sagt er und kündigt die Hamburger Kollegen von Lafote an. Ein Trio, das mit einem kurzen Set von spröder Nervosität bereits sehr gut vorlegt, das ausverkaufte Molotow akustisch und emotional zu zerlegen.

Dann Trümmer. Ein hohes Sirren aus den Verstärkern erhöht die Spannung. Leuchtbuchstaben blitzen hinter Schlagzeuger Maximilian Fenski auf. Die Gitarre von Produzent Helge Hasselberg, der das Trio live ergänzt, verdichtet den Druck. „Der Saboteur“ heißt der Song. Der Bass von Tammo Kasper pulst und pocht hinein in den Saal mit seiner flachen Decke, an der Vinylscheiben kleben. Analog ist besser. Das Raue, das Knistern, das gute wilde Leben.

Die Band ist eine ungeschliffene und gute Live-Band

„Und es ist ja auch seltsam,/was man alles so verträgt/abseits vom geraden Weg“, singt Pötsch in „Macht“. Viel geschrieben wird derzeit über Trümmers Debütalbum. Und sehr viel über die Texte. Über die Kritik am Phlegma in der Stadt, am eigenen Verdruss. Aber im Molotow ist sie schlichtweg zu spüren, die von Pötsch besungene „Mischung aus Hunger und Ungeduld“. Und zwar in der Musik. Denn die Band ist trotz (oder gerade wegen) ihrer bisher kurzen Existenz eine angemessen ungeschliffene und gute Live-Band.

Die Instrumente klingen mal so krachend roh, als rissen sie himmelhohe Mauern ein. Und das Publikum wird Zeuge, wie allen der schöne Schutt um die Ohren fliegt. Dann wiederum schlendern die Gitarren luftholend durch das Szenario. Der Staub legt sich und macht Platz für eine transparente poppige Nummer wie „Papillon“. Pötschs Stimme ist brüchig genug, um reichlich Licht und Schmutz durchdringen zu lassen. Der Gesang reibt sanft auf, er euphorisiert, streut Zweifel ein.

Zum Finale: „Wo ist die Euphorie“. Pötsch springt von der Bühne, wird gefangen von der Menge, die ihn dicht an der Discokugel vorbeischiebt. Wüste Strähnen über schmalen Gesichtern. Dandys im Nebel. Ganz zum Schluss dann „Teenage Kicks“, der Klassiker der Undertones. Das passt erneut. Die Jugend, sie muss dem Rock den Roll wiedergeben. Und dem Punk den Rock.