Hymnen von der Straße

Die Jersey-Rocker von The Gaslight Anthem spielen am 1. November in der Sporthalle

„Wir wollen nicht nur eine Fußnote in der Musikgeschichte sein, wir wollen nach oben“, sagte Brian Fallon vor vier Jahren im Vorfeld des Hurricane Festivals in Scheeßel. Damals hatten Fallon und seine Band The Gaslight Anthem gerade ihr drittes Album „American Slang“ veröffentlicht und einen großen Schritt getan, um tatsächlich nicht nur als Fußnote der Musikgeschichte zu enden.

Denn „American Slang“ folgten 2012 „Handwritten“ und im vergangenen August „Get Hurt“ in die Top 5 in den USA und in Deutschland. Und so spielt The Gaslight Anthem am 1.November nicht wie einst im Hafenklang oder im Knust, sondern wie bereits vor exakt zwei Jahren in der Sporthalle. Jenes alte Gemäuer, das so für Schweiß und harte Arbeit steht wie die Band aus New Jersey. Für Dampf und Hitze, für ungeschliffene Kanten und Ecken. Für Konzert-Handwerk. Fallon als ehemaliger Tischler kennt das gut.

So ist The Gaslight Anthem eine Band, die spirituell und lyrisch in der Arbeiterklasse verortet ist. Der Mann von der Straße, der Mann ab Werk, Herr seines Schicksals und doch nicht – aus dieser Perspektive erzählt Fallon seine Geschichten. Alex Rosamilia an der zweiten Gitarre, Alex Levine am Bass und Benny Horowitz am Schlagzeug bauen das passende Fundament dazu. Fest gemauert und erdig, enorm melodiös und eingängig, roh und dynamisch wurzeln Songs wie „45“, „Rolling And Tumbling“ oder „Bring It On“ tief im „The ’59 Sound“, wie das zweite Album von 2008 hieß.

Rock’n‘Roll und Blues, Americana und Folk, jene seit den 50er-Jahren tradierten und immer noch zeitlosen Sounds werden von den Vier wie von einer Punkband gespielt. Einer Punkband, die einfach nur das Glück hat, zu gut an den Instrumenten zu sein, um einfach nur auf zwei Akkorden herumzuschrubben wie eine Putzkolonne auf einem Kaugummifladen. Aber im Herzen ist The Gaslight Anthem immer noch die Punkband, wie sie 2006 in New Brunswick, New Jersey gegründet wurde. Der Bundesstaat, für den auch der größte Working Class Hero der Rockmusik steht. Bruce Springsteen. Der alte Recke ließ es sich nicht nehmen, 2009 in Glastonbury seine sogenannten Enkel auf der Bühne zu besuchen.

Der Boss ist ebenso als Inspiration in den Songs von The Gaslight Anthem wiederzufinden wie die Rolling Stones, Tom Petty, die Horror-Punker Misfits oder Post-Hardcore-Bands wie Hot Water Music. Die Fußnoten und die Hauptkapitel der Musikgeschichte sind The Gaslight Anthem in Mark und Bein, in Herz und Blut übergegangen, und diese Leidenschaft für Strom und Gitarren, für das volle Brett und absolute Hingabe an die Musik schafft nicht den Sound von ‘59. Auch nicht den von ’14. Sondern den für eine gute Zeit.

The Gaslight Anthem, Deer Tick, Bayside Sa 1.11., 20.00, Sporthalle (U Lattenkamp), Krochmannstraße 55, Karten zu 32,55 im Vorverkauf; www.thegaslightanthem.com