Wehe, wenn er die Uhr stellt

Denzel Washington hat den brutalen Thriller „The Equalizer“ mit Regisseur Antoine Fuqua gedreht

Halt! Stopp! Bevor Sie anfangen, werfen Sie noch einen Blick auf diesen Text im Ganzen und schätzen Sie, wie lange Sie brauchen, um ihn durchzulesen. Sollten Sie gut in dieser Art von Hellsichtigkeit sein, dann liegt das vermutlich daran, dass Sie schon sehr viele Texte gelesen haben und ihnen das Verhältnis von Text- zur Leselänge in Fleisch und Blut übergegangen ist. Robert McCall (Denzel Washington) geht das genauso. Obwohl er privat gerne und viel liest, beziehen sich seine Schätzungen allerdings weniger auf Zeilen und Absätze. Als ehemaliger Top-Agent muss er nur einen Raum mit zwielichtigen Gestalten betreten und erfasst umgehend, wann jemand eine Waffe zücken und wie lange das anschließende Gefecht dauern wird. McCall kann nicht nur seine Uhr danach stellen, er tut es auch mit einer Routine, die man als zwanghaft bezeichnen muss.

Gelegenheit zum Uhren stellen bekommt er reichlich, nachdem er in seinem Stamm-Diner die junge Prostituierte Terri (Chloë Grace Moretz, die furiose Heldin aus „Kick-Ass“) kennengelernt hat. Flugs erkannte er deren brachliegendes persönliches Potential und ihr Problem: Terri befindet sich in den Fängen eines Zuhälter-Rings der russischen Mafia. Da kann McCall nicht anders, er nimmt die Sache in die eigenen Hände. Denzel Washington beherrscht diese Melange aus melancholischem Einzelgänger und professionellem Großstadtkrieger im Schlaf.

Um ihn als „Equalizer“ zu inszenieren, lässt sich auch kaum ein passenderer Regisseur vorstellen als Antoine Fuqua, für dessen „Training Day“ Washington einst seinen zweiten Oscar erhalten hatte. Washington denkt und bewegt sich hier wie ein Samurai, wird zur überzeitlichen Superheldenfigur. Für Irritation in diesem ansonsten nahezu perfekt ausbalancierten Thriller sorgt allerdings, dass McCall sich eine bürgerliche Existenz als Angestellter eines Baumarktes aufgebaut hat.

Wetten, dass Sie in wenigen Sekunden erraten, wo der finale Showdown stattfindet? Wenn Sie nun auch noch aufzählen, was sich aus dem durchschnittlichen Sortiment eines solchen Geschäftes als Nahkampfwaffe eignet, können Sie sicherlich einschätzen, ob „The Equalizer“ nicht doch noch in ein eher mittelmäßiges B-Movie mit bisweilen lachhaften Semi-Splatter-Momenten umschlägt.

++--- „The Equalizer“ USA 2014, 131 Min., ab 16 J., R: Antoine Fuqua, D: Denzel Washington, Chloë Grace Moretz, Martin Csokas, täglich im Cinemaxx Dammtor (auch OF)/Harburg/Wandsbek, Savoy (OF), UCI Mundsburg/Othmarschen/Wandsbek; www.theequalizer.de