Diese Dänen drehen durch

Tanzbarer Indie- und Electrorock mit WhoMadeWho am 14. Oktober im Gruenspan

Musik ist immer. Musik ist überall. Auch beim Shoppen in einer Textilketten-Filiale in der Innenstadt, so banal es auch klingen mag. Wir fahren eine Rolltreppe hoch, und aus den Boxen puckern zwei Klavierakkorde und ein prägnanter, ungewöhnlicher Rhythmus. Eine Stimme erklingt, ein knackiger, trockener Bass steigt mit ein. Ein toller Refrain, Coldplay-Drama ohne Coldplay-Geheulsuse. Wahnsinn. Zum Glück leben wir in einer Zeit, wo ein Griff zum Smartphone schnell weiterhilft auf der Suche nach der Quelle dieses Liedes: „Running Man“ von WhoMadeWho.

Seit Jahren ist die dänische Musikszene im starken Aufwind, das können große Metalacts sein wie Volbeat oder kleine Discopop-Geheimtipps wie Vinnie Who. Und WhoMadeWho aus Kopenhagen ist die zeitgemäße dänische Antwort auf tanzbaren Indierock und Dancesound irgendwo zwischen Hot Chip, Daft Punk, Soulwax, LCD Soundsystem oder Justice. Soulphisticated Music pur.

Die ersten drei Alben, die Tomas Høffding, Jeppe Kjellberg und Tomas Barfod aufgenommen haben, gingen schon deutlich in diese Richtung, auch wenn „WhoMadeWho“ (2005), „The Plot“ (2009) und „Knee Deep“ (2011) noch weitgehend kleine Kreise zogen. Aber die unterschiedlichen Herkünfte des Trios wurden bereits ganz selbstverständlich vereint. Frontmann Jeppe Kjellberg hat einen akademischen Jazz-Hintergrund, Schlagzeuger Tomas Barfod ist ein Technik-Fuchs mit starkem Hang zu Clubsounds und Electronica und Bassist Tomas Høffding trägt noch den Punk im Herzen.

Auf dem vierten Album „Brighter“ (2012) zeigte sich WhoMadeWho nicht nur mit dem Lied „Running Man“ formvollendet. Das mächtig pumpende „Never Had The Time“ ist ein astreiner Vocal-House-Brecher, „The Sun“ mit seinen punktgenauen, zackigen Gitarrenakzenten könnte von einer vergessenen 80er-Waverockband stammen, und „Inside World“ oder „Skinny Dipping“ sind Bassmonster mit der ganzen Macht von Tomas Høffding.

Zwar nahmen die Drei auf dem aktuellen, im Februar erschienenen neuen Langspieler „Dreams“ das Tempo deutlich heraus und schwelgten in der Tat im Dreampop, aber das Konzert im April im ausverkauften Mojo Club geriet trotzdem zu einer durchgedrehten, erhitzten und mitreißenden Party, die auch in der letzten Reihe der Empore für ausgelassene Tanzlust sorgte. Mit dem Benny-Benassi-Cover „Satisfaction“ ging der Abend zu Ende, und das Publikum hatte noch lange nicht genug. Am 14. Oktober gibt es die Zugabe im Gruenspan.

WhoMadeWho Di 14.10., 21.00, Gruenspan (S Reeperbahn), Große Freiheit 58, Karten zu 22,70 im Vorverkauf; www.whomadewho.dk