Alles, nur kein Kammerpop

Mit Liedern für den Herbst und Winter besucht Agnes Obel am 15. Oktober Kampnagel

Das Wort „Kammerpop“ hört sie gar nicht gern. „Oh, nein“, sagt Agnes Obel, „was für eine schreckliche Bezeichnung für meine Musik.“ Am liebsten möchte die dänische Sängerin und Pianistin überhaupt nicht in irgendeine Schublade gesteckt werden. Ihre Songs sollen für sich stehen, und das tun sie.

2010 überraschte sie mit dem Album „Philharmonics“, vor einem Jahr erschien der Nachfolger „Aventine“. Wieder kreiert sie dunkle Stimmungen wie gemacht für Herbst und Winter. Die Lieder von Agnes Obel sind wie ein Spaziergang durch einen dichten Wald, bei dem man vorsichtig Fuß vor Fuß setzt und auf jeden Klang achtet. Auch wenn es in den Kompositionen ab und an einen verspielten Klavierlauf gibt, wirkt ihre Musik doch völlig entschleunigt.

Sie sagt, dass sie mit den Stücken ihre eigene Welt erschafft, in die sie dann abtauchen kann. Entstanden sind die Lieder nicht etwa in der Abgeschiedenheit ihrer skandinavischen Heimat, sondern mitten in der wuseligen urbanen Welt von Berlin.

Seit 2005 schon lebt die 33 Jahre alte Musikerin mit ihrem Freund Alex in Neukölln. Von Berlin ist in der Musik der Dänin nichts zu spüren. „Es ist merkwürdig, aber ich habe das Gefühl, dass ich für meine Musik vor der Stimmung der Stadt flüchten muss, auch wenn ich es wirklich liebe, in Berlin zu leben.“ Entstanden sind die meisten der Lieder in ihrer Wohnung, der sie inzwischen den Namen White Chalk Studios gegeben hat. Aufgenommen hat sie die neuen Nummern dann später in einem Studio in Kreuzberg. Anfang Oktober ist jetzt von „Aventine“ eine Deluxe-Version als Doppel-CD erschienen. Darauf finden sich drei neue Tracks sowie sechs Livemitschnitte von Sessions in Paris und in Berlin sowie zwei Remixe von Daniel Matz und von dem berühmten Filmregisseur David Lynch.

Eine wichtige Rolle in Obels Musik spielt auch die Cellistin Anne Müller. Seit 2009 begleitet sie die Pianistin und ist ein nicht mehr weg zudenkender Bestandteil der Liveauftritte geworden. Ihr Spiel verstärkt noch den Eindruck der Dunkelheit, aber auch des Kammermusikalischen. Popreferenzen finden sich bei der klassisch ausgebildeten Cellistin allerdings nicht, Komponisten wie Bela Bartok und Erik Satie stehen den beiden Musikerinnen deutlich näher als eine Popsängerin wie Lady Gaga.

Auf „Aventine“ hat Obel noch weitere Musiker hinzugeholt. Mika Posen von der kanadischen Band Timber Timbre ist bei drei Songs auf Geige und Bratsche zu hören, Robert Konderossi spielt auf „Pass Them By“ Gitarre und Gillian Fleetwood auf „Fuel To Fire“ keltische Harfe. Nachdem Agnes Obel in Hamburg zuletzt beim sommerlichen Dockville Festival aufgetreten ist, kommt sie für ihr nächstes Konzert wieder in die Kampnagel-Fabrik. Definitiv ein besserer Ort für sie als eine Performance im Sonnenschein.

Agnes Obel Mi 15.10., 20.00, Kampnagel (Bus 172, 173), Jarrestraße 20, Karten zu 37,- im Vorverkauf; www.agnesobel.com