Das Thalia Theater startete mit Shakespeares „Romeo und Julia“ in die Spielzeit. Die Interpretation von Regisseurin Jette Steckel ist kein Musical, aber eine stark musikalisch geprägte Inszenierung.

Hamburg. So schwarzbitter kann man „Romeo und Julia auch erzählen, als melancholisch-musikalische Ballade, der zu Folge Liebe stets vom Schatten des Todes umgeben ist und unvermeidlich zum Untergang führt. Regisseurin Jette Steckel hat Shakespeares Drama über die Liebenden, denen Familie, Staat und Natur feindlich gesonnen sind, als Tragödie über zwei Untergangssüchtige zur Saisoneröffnung am Thalia inszeniert. Mit Birte Schnöink und Mirco Kreibich in den Titelrollen, einem stimmig reduzierten Dramenpersonal, der von Florian Lösche überwältigend schön gestalteten Bühne und großartiger Livemusik von Anja Plaschg (Soap&Skin) und Anton Spielmann (1000 Robota) ist ihr ein dreieinhalbstündiger Abend gelungen, der trotz mancher Längen (etwa in den Mercutio- und Lorenzo-Szenen) eine bewegende, präzise und sehr energiegeladene Komposition über Tod, Finsternis, Einsamkeit, Liebe, Passion und die Kraft der Destruktion geschaffen hat.