Komödie im ZDF

„Ich habe keine Lust, vernünftig zu sein“

Amüsant: Das ZDF zeigt „Offroad“, eine Liebes-Krimi-Sozialkomödie mit Nora Tschirner und Elyas M’Barek. Trockene Dialoge, heftige Autojagden, falsche und echte Waffen sorgen für ausreichend Dynamik.

Hamburg. Berlin-Mitte, Berlin-Neukölln und das Provinznest Geilenkirchen werden zu Beginn des Films als Handlungsorte vorgestellt, gemeinsam mit allen Klischees, die man damit verbindet. In Mitte gibt es dann ein schickes, aber immer noch improvisiert aussehendes Büro einer Veranstaltungsagentur, in der – wie sich herausstellt – lauter Chaoten arbeiten. In Neukölln wohnen Türken – hier unter anderem von Elyas M’Barek dargestellt. Und in Geilenkirchen, da lebt Meike Pelzer (Nora Tschirner), die als Juniorchefin in der Firma ihres Vaters die besten Karrierechancen hat.

Nach diesem kurzen Exposé im Fernsehfilm „Offroad – Pack das Leben bei den Hörnern“, der die Figuren rasch in ihren Milieus verortet, hat es sich aber auch schon mit den fest gefügten Schablonen, und der Film nimmt packend Fahrt auf. Anders als gewöhnlich bei Drehbüchern, in denen Menschen um die 30 porträtiert werden, gerät die brave Meike hier – die zu Beginn den Film im Voice-over kommentiert mit „Ich bin eine durchschnittliche junge Frau“ – mit dem Gesetz in Konflikt. Als sich für sie die Chance bietet, einen coolen Jeep mit auffälligen Hörnern als Kühlerzierde zu ersteigern, greift sie zum Befremden ihres spießigen Verlobten sofort zu. Seit Langem träumt sie von einer Tour durch die Sahara. Aber als sie 50 Kilo Kokain unter der Kofferraumverkleidung findet, lässt sie ohne zu zögern alles hinter sich und versucht sich als Großdealerin. Und als Zuschauer verrückt einem ein klein wenig die Perspektive, wenn man ihr viel Erfolg dabei wünscht. „Ich hab jetzt keine Lust, vernünftig zu sein“, sagt sie, und man versteht sie sehr gut. Wie oft hat man das selbst schon gedacht. Ohne Konsequenzen zu ziehen. Aber dafür gibt es ja schließlich Filme.

Natürlich hat sie dann gar keinen Erfolg. Sie sieht nicht nur viel zu bieder aus, sie weiß auch nicht, wie sie’s anstellen soll, Kokain zu verkaufen, und so landet sie schnell in der Gefahrenzone. Irgendwie scheint ihr das aber nicht viel auszumachen. Denn sie will alles ändern, allerdings hat sie noch keine Ahnung, wie das gehen soll. Einen Plan B für ihr gradliniges, eingefahrenes Leben hat sie nicht. Meike ist erst mal abgehauen, weil sie ihren Verlobten Philip beim lautstarken Fremdgehen im Gartenhaus erwischt hat. Und überhaupt ist das Leben zwischen Eigenheim und Schützenverein so unglaublich vorhersehbar.

Nora Tschirner spielt das mit einem ebenso stoischen wie kindlichen, frechen, eingeschnappten oder pampigen Gesichtsausdruck, dass man sich über all das freut, was sie nun vorhat. Dabei ist es nicht wirklich viel. Sie hat ja gar keinen Plan. Doch unterwegs trifft sie den Musiker Salim – den Türken aus Neukölln –, der sich zwar ziemlich gut findet, sie aber wohl auch. Er hilft ihr, als sie verletzt ist, und schaut sie anschließend so begeistert an, dass man den beiden – schließlich sind es ja Nora Tschirner und Elyas M’Barek – eine Zukunft wünscht.

Hinter Meike sind aber erst mal zwei leicht verplante Kollegen aus der Berliner Agentur her. Ihrem Chef gehört der Koks, er braucht Geld. Mit ihren skurrilen Aktionen haben sie natürlich keinen Erfolg. Der Chef wird gehörig sauer.

Ja, und so entwickeln sich eine Verfolgungsjagd, eine Milieustudie quer durchs Berliner Nachtleben und eine schwer zu gestaltende Liebesbeziehung. Denn erstens kommt Philip (Max von Pufendorf) wieder ins Spiel, der sich für seinen Fehltritt gehörig entschuldigt. Meike redet sich pragmatischerweise ein, er sei verführt worden. Und zweitens hat Salim bereits eine blonde Freundin, Sarah, die auch noch nett ist. Wenn auch nicht so nett, als dass Meike nicht doch noch Stielaugen nach Salim ausfahren würde.

Aber Elyas M’Barek, der spätestens seit „Fack ju Göhte“ den strahlenden Held, Lieblingslover und Erfolgstyp des deutschen Filmpublikums verkörpert, weil er Sexyness mit Knuddeligkeit und einem Schuss Exotik – er ist Österreicher – verbindet, muss ja noch im Spiel bleiben. Klar, dass ihm etwas einfällt.

Trockene Dialoge, heftige Autojagden, falsche und echte Waffen sorgen für ausreichend Dynamik und einige neue Wendungen in der Komödie. Auch die Nebenfiguren – mit Leslie Malton als Mutter von Meike, Dominic Raacke als deren Vater und Axel Milberg in der Rolle eines ausgebufften Anwalts – peppen die Nebenhandlungsstränge auf.

Meike und Philip träumen vom großen Coup. Und als es schon fast so weit ist, kommt wieder etwas dazwischen, das ist Komödiendramaturgie.

Irgendwann ist es schon fast egal, ob Meike das Kokain oder Philip behalten sollte. Oder beide. Ob sie nach Salim schaut oder nach ihren Verfolgern. Oder nach beiden. Action, Witz und knappe Dialoge halten den Film geschmeidig zusammen. Als Zuschauer fragt man sich, wie das alles doch noch zu einem guten Ende kommen kann. Keine Frage, das wird es natürlich. Mit einer Überraschung, die fast nicht vorhersehbar ist. Dieser Film ist federleicht und amüsant. Er passt perfekt in eine Reihe, die „Sommer“ im Titel hat, denn man wird unangestrengt unterhalten. Ein Grund jedenfalls, den Abend mal nicht draußen zu verbringen.

„Offroad – Pack das Leben bei den Hörnern“, Do 31.7., 20.15 Uhr, ZDF