Tino Lange

So klangen die Beatles in Hamburg

Trotz unzähliger Auftritte sind Tondokumente der Fab Four aus der Kiez-Phase rar, vom Markt genommen oder verschollen.

Hamburg. An gefühlten acht Tagen in der Woche spielten die Beatles zwischen 1960 und 1962 in Hamburg, und auch mehrere Termine in Aufnahmestudios sind überliefert. Trotzdem sind Tondokumente aus dieser Zeit rar.

Am bekanntesten und wichtigsten ist sicherlich das Album „My Bonnie“, das der 2013 in Hamburg gestorbene Kiez-Superstar der frühen 60er Tony Sheridan mit den Beatles als Begleitband aufgenommen hat. Bert Kaempfert („Strangers In The Night“) leitete im Juni 1961 die Aufnahmen in der Harburger Friedrich-Ebert-Halle und im Studio Rahlstedt, bei denen Sheridan und die als „The Beat Brothers“ aufgeführten Beatles John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Pete Best acht Songs einspielten, darunter die instrumentale Harrison/Lennon-Komposition „Cry For A Shadow“. Die Nachfrage nach der „My Bonnie“-Single reichte bis nach Liverpool und die Geschichte nahm ihren Lauf.

1977 erschien das Album „Live! At The Star-Club In Hamburg, Germany; 1962“, das auf Tonbändern aus dem Besitz von Star-Club-Musiker Ted „Kingsize“ Taylor basierte und auf dem die Beatles, jetzt mit Ringo Starr am Schlagzeug, 25Rock’n’Roll-Covers und „I Saw Her Standing There“ spielen. Allerdings ist die Tonqualität indiskutabel schlecht und eher von historischem Wert, „die schäbigsten Aufnahmen, die je unter unserem Namen gemacht wurden“, fluchte George Harrison. Erst 1998 konnten sich die verbliebenen Ex-Beatles und Yoko Ono die Bänder und Rechte sichern und weitere offizielle Veröffentlichungen stoppen.

Belegt ist auch noch eine Aufnahmesession 1960 im „Akustik Studio“ an der Kirchenallee, aber die Demo-Schallplatten sind bis heute verschollen. Vor wenigen Monaten fand die Stadtreinigung ein Exemplar in Barmbek – leider nur ein Aprilscherz.