Boah, da will ich auch mal hin

Die Doku „Wacken 3-D“ entführt auf das Heavy-Metal-Festival

Seit Jahren ratzfatz ausverkauft: Das Wacken Open Air ist die große Erfolgsgeschichte des Heavy Metal. 75.000 Menschen, hauptsächlich in Schwarz gekleidet, feiern Ende Juli/Anfang August in der norddeutschen Provinz ein großes Fest. Mit lauter Musik und viel Alkohol. Sie spülen jede Menge Geld in Veranstalter- und Gemeindekassen, weshalb die aus aller Welt anreisenden Partymassen längst mit offenen Armen empfangen werden.

Mit „Wacken 3-D“ kommt das Festival nun auch auf die große Leinwand, und auch wenn der Film Schwächen hat: Er sorgt für Ja-genau-so-ist-es-Momente bei denen, die schon mal da waren und Boah-da-will-ich-auch-mal-hin-Wünsche bei denen, die bisher nur davon gehört oder gelesen haben.

Regisseur Norbert Heitker stellt die Fans in den Mittelpunkt seines 90-Minüters und tatsächlich sind sie es, die das Wacken Open Air ausmachen. Fröhliche, begeisterungsfähige Menschen, die teilweise weite Wege (Taiwan! USA!) auf sich genommen haben, um sich einen Traum zu erfüllen. Den Traum von einer halben Woche Heavy-Metal-Vollbedienung unter Gleichgesinnten. Manche sparen jahrelang auf diesen Trip oder machen gar keinen anderen Urlaub mehr, um jedes Jahr wiederkommen zu können.

Wer schon mal in Wacken war, weiß: Es stimmt alles, was hier gezeigt wird. Ja, die Fans sehen wild aus, sind aber ausgesprochen friedlich. Sie preisen das Monströse, die Gewalt, den Exzess, um sich zwischendurch in den Armen zu liegen. Es ist eine Art Familienfeier, die in Wacken stattfindet, und Bands wie Motörhead oder Deep Purple sind Teil des Ganzen.

Kritische Untertöne sucht man in Heitkers Film allerdings vergebens. Dass die Dauerbespaßung mit Mittelaltermarkt und Frauencatchen von Teilen der Szene als „Ballermannisierung“ gesehen wird, ist kein Thema. Dass das Festivalgelände teilweise so voll ist, dass Zugänge geschlossen werden müssen und Bands nur noch in der Ferne zu erahnen sind, auch nicht. Von einer Auseinandersetzung mit dem Phänomen Heavy Metal, vor 20 Jahren maximal uncool, heute wieder angesagt, ganz zu schweigen. Unterhaltsam ist „Wacken 3-D“ natürlich trotzdem.

+++-- „Wacken 3-D - Der Film“ D 2013, 95 Min., ab 6 J., R: Norbert Heitker, täglich im Abaton, in den Cinemaxx- und UCI-Kinos, Zeise; www.wacken3d-film.de