Philharmoniker

Eine musikalische Pauschalreise zum Saisonausklang

Simone Young dirigierte die Philharmoniker „In 80 Minuten um die Welt“. Mit der Reise um den Globus verabschiedeten sich die Philharmoniker Hamburg und ihre Chefin in die Sommerpause.

Hamburg. Mit einer charmanten musikalischen Pauschalreise rund um den Globus verabschiedeten sich die Philharmoniker Hamburg und ihre Chefin Simone Young am Sonntag in die Sommerpause. Der traditionell etwas lockerer gehaltene Saisonausklang stand diesmal unter dem Motto „In 80 Minuten um die Welt“; tatsächlich wurden es fast 180 Minuten, wie Simone Young ironisch-reumütig einräumen musste.

Auch dieses Jahr bewährt sich Young dabei nicht nur am Pult, sondern als Cicerone und als Stewardess, die rechtzeitig vor dem ersten zeitgenössischen Stück noch den Weg zu den Notausgängen vorne, hinten und in der Mitte wies.

Zu den Neuerungen von Summertime 2014 zählte die Helmpflicht für Dirigenten; sturzhelmgeschützt manövrierte Young ihr Orchester durch die intrikaten Rhythmen von John Adams’ „Short Ride in a Fast Machine“. Die „Jugendsünde“, die sie bei dieser Gelegenheit beichtet, entpuppte sich allerdings als relativ harmlose Passion fürs Motorradfahren im Alter von 20 Jahren.

Zum Charme eines solchen Klangtourismus zählt seine Unverbindlichkeit. Man hört hier und dort mal kurz hinein und erfreut sich daran, Altbekanntes wie Elmer Bernsteins „Glorreiche Sieben“ oder Victor Youngs „In 80 Tagen um die Welt“ wiederzuentdecken. Dabei wird man als Touri unweigerlich mit Talmi wie „Moonlight Reflection in the Serene Lake “ von Xiaogang Ye übers Ohr gehauen und entdeckt dafür an anderer Stelle Originelles und Herausforderndes wie „Das Kreuz des Südens“ des Wahl-Argentiniers Esteban Benzecry.

Das größte Kompliment, das man den philharmonischen Reiseveranstaltern machen kann, ist allerdings, dass sie wussten, wann es Zeit für einen Zwischenstopp ist. Das Didgeridoo des australischen Musikers William Barton klang in der Tat so faszinierend urtümlich, dass man gerne intensiver zugehörte hätte als Peter Sculthorpes „Earth Cry“ für Orchester und obligaten Baumstamm dies erlaubte. Doch Barton gab Gott sei Dank noch eine ebenso unterhaltsame wie lehrreiche Solo-Zugabe, in der er die Möglichkeiten seiner archaischen Klangröhre, von einer akustischen Führung durch die Fauna des Outback bis zum urbanen Beatboxing, zur allgemeinen Begeisterung voll ausspielen konnte.