Das Bluesduell: Jack White gegen Dan Auerbach

Die Musiker aus Nashville veröffentlichen neue Alben: „Turn Blue“ und „Lazaretto“

Hamburg. Schon seit einiger Zeit ist Nashville nicht mehr nur die Hochburg amerikanischer Countrymusik. Spätestens seit Jack White und Dan Auerbach, Sänger und Gitarrist der Black Keys, sich dort niedergelassen haben und in ihren eigenen Studios produzieren, ist die Stadt in Tennessee ein Hotspot für alle möglichen Arten populärer Musik geworden. Vor allem White konnte sich mit seinem Label Third Man Records und Aufnahmen mit Jerry Lee Lewis, Wanda Jackson, den Smoke Fairies und anderen einen führenden Ruf in der Vinyl-Schallplattenindustrie erarbeiten, denn der 39-jährige ist an digitalen Neuerungen wenig interessiert. Zu einer Kooperation zwischen White und den Black Keys ist es jedoch bisher nicht gekommen – ganz im Gegenteil: Jack White verachtet Auerbach, weil der ihn angeblich kopieren würde. Die Fehde zwischen den Musikern geht sogar so weit, dass White seine Kinder nicht auf dieselbe Schule schicken will, die Auerbachs Nachwuchs besucht.

Jetzt haben beide neue Alben veröffentlicht, Gelegenheit also zu einem Vergleich. Jack Whites Projekte wie die White Stripes, Raconteurs, Dead Weather und auch die Black Keys stehen für moderne Varianten des Blues. „Lazaretto“ heißt das zweite Album des Sängers und Gitarristen, das zwei Jahre nach seinem Solodebüt „Blunderbuss“ herausgekommen ist. „Turn Blue“, die neue Platte der Black Keys, ist im Œuvre der Band das inzwischen sechste Studioalbum und die erste Nummer 1 des Duos in den USA. „Blunderbuss“ erreichte vor zwei Jahren den Topplatz, von „Lazaretto“ erwarten Branchenkenner die nächste Nummer 1.

Die Liebe wiegt schwer, die Musik ist der Rettungsanker

Mit einer pfeifenden Orgel und dem von Blind Willie McTell geschriebenem „Three Women“ beginnt „Lazaretto“. Der Song gibt die Richtung vor, Jack White arbeitet sich weiterhin am Blues ab und vielleicht auch an seiner Ex-Frau Karen Elson. Ein paar der Lieder handeln von gescheiterten Lieben, ein Thema, das Blues-immanent ist. In „Alone In My Home“ beschreibt White, dass die Einsamkeit ihn zum Gespenst macht, „I Think I Found The Culprit“ geht der Frage nach der Schuld an der verlorenen Liebe nach. Viele der Lieder sind harsche Bluesrock-Nummern, ähnlich wie auf „Blunderbuss“, aber auch Nashville macht sich mit deutlichen Country-Einflüssen bemerkbar.

Auch die Black Keys haben auf ihren Alben einen elektrischen, Riff-betonten Blues gespielt. Auf „Turn Blue“ entfernen sie sich deutlich von ihrem früheren Konzept. Die vorab ausgekoppelte Single „Fever“ erinnert mit ihrem treibenden Beat an Vorgängeralben. Ähnlich dem Glam-Rock von T. Rex. Die anderen Nummern sind sehr dicht produzierte Rocksongs, die auf den Westcoast-Sound der 70er-Jahre verweisen. Stärkstes Stück ist der sieben Minuten lange Opener „Weight Of Love“, bei dem Chöre Dan Auerbachs hohen Gesang unterstützen und sogar ein Vibraphon zum Einsatz kommt. Ebenso wie Jack White hat auch Dan Auerbach eine gescheiterte Ehe hinter sich, die Liebe wiegt schwer, die Musik ist der Rettungsanker, und davon handelt „Weight Of Love“.