Schlachtfeld der Gefühle

Jan Bosses Version von Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“ gastiert im Thalia

Der Filmregisseur Ingmar Bergman begeisterte und verstörte 1973 mit seinem auch als TV-Serie erschienenen Filmdrama „Szenen einer Ehe“. Handlungsarmut und Dialoglastigkeit machten ihn zu einem reinen Redefilm. Die Texte aber haben es heute noch in sich. Und auf sie setzt Regisseur Jan Bosse in seiner Inszenierung, die am Stuttgarter Schauspiel herauskam und von Kritik und Publikum einhellig als Sternstunde begrüßt wurde. Klug eingedampft sei sie und präzise inszeniert. Obendrein hat Bosse den tiefernsten Gesprächen von Liv Ullmann und Erland Josephson in der Verfilmung etliche humorvolle Seiten abgerungen. Am 7. und 8. Juni gastiert die Inszenierung am Thalia Theater.

Jan Bosse ist in Hamburg gern gesehen. Am Thalia Theater hat er zuletzt „Hedda Gabler“ inszeniert, ebenfalls eine Aneignung zum Thema Auflösungserscheinungen einer Beziehung und Unmöglichkeiten eines gelungenen Zusammenlebens. Bei „Szenen einer Ehe“ stehen ihm für sein Konzept, bei dem alle Nebendarsteller eliminiert sind, zwei hervorragende Darsteller zur Seite: Astrid Meyerfeldt und der nunmehr Ex-„Tatort“-Kommissar Joachim Król. Auf der Bühne spielen sie das Leiden an der Beziehung mit elektrisierender Intensität und körperlichem Einsatz. Zu Beginn schauen sie dem Publikum von der Rampe noch freundlich lächelnd entgegen. Doch Johan (Król) gibt sich zwanghaft gut gelaunt und versteckt seine wahren Gefühle hinter ironischen Bemerkungen.

Aus dem freundlich lächelnden wird ein sich zerfleischendes Paar

Bosse hat seine beiden Hauptfiguren zehn Jahre älter angelegt als in der Filmversion. An sich selbst berauscht, behauptet Johan, mit 52 Jahren noch ein „großartiger Liebhaber“ zu sein. Seine Frau Marianne (Meyerfeldt) wirkt zunächst unsicher, blickt zum Gatten auf, versorgt die Kinder. Man ahnt nichts Gutes. Als der fast schon erwartete Verrat auftaucht, Johan sich in eine Jüngere verliebt, wandelt sich die verhuschte Marianne zur selbstbestimmten Frau, die die Scheidung fordert. Schon bald wird sich der Geschlechterkampf in verbalen Zerfleischungen bis hin zu Handgreiflichkeiten entladen. Der Text schont Darsteller und Publikum nicht. Nichts wird beschönigt und alles beim Namen genannt – das Ende ist dabei überraschend, denn so leicht lassen Bergman und Bosse die Eheflüchtigen nicht davon und voneinander loskommen.

Bühnenbildner Moritz Müller hat dem Paar dazu ein Einfamilienhaus als großes Raumlabyrinth auf der Bühne errichtet, inklusive Flokati und Makramee-Eule als Reminiszenz an die 1970er-Jahre. Im Laufe des Abends wird es sich zu einem Irrgarten der Einsamkeit entwickeln. Der Text und das Spiel verorten das Thema ganz klar im Hier und Jetzt. In den Problemen, die der Ehebund auf der Langstrecke in der Regel mit sich bringt. Mit der Ehe wird im Laufe des Abends auch das Haus zerlegt. Aber auch das soll mit viel Humor geschehen.

„Szenen einer Ehe“ Sa 7.6. 20.00, So 8.6., 19.00, Thalia Theater (U/S Jungfernstieg), Alstertor, Karten zu 9,50 bis 48,- unter T. 32 81 44 44; www.thalia-theater.de