Ernst-Deutsch-Theater

Viel Beifall für Winfried Glatzeder und die Komödie „Toutou“

Das Stück über Eheprobleme und einen entlaufenen Vierbeiner feierte am Donnerstagabend seine Premiere in Hamburg. Der ehemalige „Tatort“-Kommisar verkörpert einen gehetzten Ehemann in Paris.

Hamburg. Hunde und Kinder stehlen auf der Bühne den Menschen die Schau. Das wussten die Macher von „Toutou“, der Komödie von Daniel Besse und Agnès Tutenuit. Und so taucht der gleichnamige Vierbeiner während der von Ute Willing mit sicherer Hand eingerichteten Premiere am Ernst Deutsch Theater nicht einmal auf, obwohl er das ganze Stück über präsent ist. Dieser Hund, der sich beim Gassigang davongemacht hat.

Erst seine Abwesenheit setzt bei den Menschen Dinge in Bewegung. Bei Alex (Winfried Glatzeder) und Chloe (Gila von Weitershausen), die Toutou, den „Dokö“ (Dorfköter) aus Rumänien in ihre elegante Pariser Wohnung aufgenommen haben. Jetzt reden sie sich die Köpfe heiß darüber wer ihn aufrichtiger geliebt hat. Doch über dem Kampf kommt heraus, dass eigentlich beide ihre Überfürsorge auf ihn fokussierten, und darüber die eigene Ehe vernachlässigten. Erst ein gemeinsamer Freund und verdächtige Gassigänge Alex’ mit der attraktiven Nachbarin wecken das Paar auf.

Glatzeder glänzt derart als sanft aufbrausender Gatte mit Dackelaugen und Gefühl für Situationskomik, dass man seinen Dschungelcampexkurs kaum mehr nachvollziehen kann. Gila von Weitershausen gibt als sein Gegenpart die Besonnene, Vernünftige, die langsam begreift, dass sie den Weggang des eigenen Sohnes in die USA, kompensiert. Gekonnt, präzise in Tempo und Gesten spielt sich das Paar die Bälle zu.

Der Text gibt ihnen in bester Molière-Manier Gelegenheit zu intelligentem Schlagabtausch jenseits von Klamauk oder Schmiere, gipfelnd in der Frage „Ist der Mensch wirklich der beste Freund des Hundes?“.