Theaterdoku im Malersaal

Nichts Neues aus der Welt der Fleischerzeugung

| Lesedauer: 3 Minuten
Armgard Seegers

Die Theaterdoku „Cargo Fleisch“ im Malersaal kann die Erwartungen nicht erfüllen. Nach diesem Theaterabend, der recht belanglos, beliebig und oberflächlich ist, geht man enttäuscht nach Hause.

Hamburg. Massentierhaltung oder Brandrodung sind als Folge unserer Ernährungsgewohnheiten eine ebensolche Bedrohung wie die Tatsache, dass der eine Teil der Menschheit zu fett ist und der größere Teil der Weltbevölkerung Hunger leidet. Clemens Bechtel hat sich nun im Malersaal des Schauspielhauses unter dem Titel „Cargo Fleisch“ mit neun Schauspielern dem Thema globaler Lebensmittelmarkt dokumentarisch gewidmet. Die Aufführung ist Teil eines internationalen Projektes, bei dem sich acht Theater mit dem weltweiten Lebensmittelkreislauf und seinen Auswirkungen auf Klima, Ökonomie und Soziales auseinandersetzen. Gemeinsamer Ausgangspunkt war eine Konferenz im Schauspielhaus im November 2013.

Die Zuschauer sitzen in O-Form um die Protagonisten auf der Bühne, wo sich alles ums Huhn dreht. An den Wänden sieht man Filme von Hühnern in Bodenhaltung, in der Mitte verkünden Schauspieler, dass in Brasilien der Regenwald gerodet wird, um dort Soja für Tierfutter anzubauen. Eine echte Aktivistin erzählt, dass man auf ihrer Webseite „Fuck for Forest“ Sexfilme kostenpflichtig anklicken kann und damit für den Erhalt des Regenwaldes etwas Gutes tut. Man spricht über die Guarani-Indianer, denen man für wenig Geld Land abgekauft hat. Ein Großgrundbesitzer erschießt einen Indianerjungen. Der Vertreter eines Nahrungsmittelkonzerns behauptet, dass seine Firma gegen den Hunger in der Welt vorgeht. Auf Edelstahltischen werden tiefgefrorene Hühnerteile hereingefahren und von den Schauspielern mit Eispickeln zerhackt, was wohl, dem Thema angemessen, eklig wirken soll. Ein Afrikaner erzählt, dass in sein Land Hühnerbeine, -flügel und -hirne exportiert werden, weil in Europa die Menschen gerne nur Hühnerbrüste essen. Ein pummeliger Junge, der am liebsten Chicken McNuggets isst, soll Sport treiben.

Es ist ein buntes Sammelsurium, was unter anderen Yorck Dippe, Kathrin Wehlisch und Carlo Ljubek auf der Bühne treiben – und es wird nichts Neues erzählt. Stattdessen ist es ein bisschen gefühlig – „böse, nur auf Gewinnmaximierung konzentrierte Konzerne versorgen böse Fleischesser, denen die Erzeugung ihrer Nahrung offenbar egal ist“ –, harte Fakten, die vermisst man leider. Sie hätten für mehr Erkenntnis und Anteilnahme gesorgt.

Denn aus der Welt der Fleischerzeugung gäbe es Grausiges zu berichten: Hühner, die auf einem Platz von der Größe eines DIN-A-5-Blattes vegetieren, die 24 Stunden mit Licht und Antibiotika beschossen werden und vieles Unvorstellbare mehr. Zwölf Milliarden Tiere sollen die Deutschen angeblich pro Jahr verspeisen. Erfährt man, wie die Tiere leben, möchte man eigentlich sofort Vegetarier werden. Nach diesem Theaterabend aber, der recht belanglos, beliebig und oberflächlich ist, geht man enttäuscht nach Hause. Und macht sich vielleicht dort ein Wurstbrot zum Trost.

Weitere Termine: 16./17./30.5.