Stein auf Stein

Der Trickfilm „The Lego Movie“ nimmt Hollywood und sich selbst gehörig auf die Schippe

Lego ist so etwas wie die Spaghetti des Kinderzimmers: Ungeheuer vielseitig und beliebig erweiterbar, beliebt bei Kindern und Eltern gleichermaßen, geeignet für Hausmannskost und elaborierte Sterneküche. Und so wie die neueste No-Carb-Diät der Nudel nicht wirklich schaden wird, so haben auch Lego die Vorwürfe nostalgischer Eltern, dass aus kreativen Steinehaufen diktatorische Play-Sets mit detaillierten Bauanleitungen geworden sind, nicht wirklich etwas anhaben können. Im Gegenteil: Man muss schon Lego sein, ein 3,4-Milliarden-Euro-Imperium mit dem Kuschelimage eines dänischen Familienbetriebs, um aus dem Verlust der Unschuld noch Kapital schlagen zu können.

Und so hat „The Lego Movie“ seit seinem US-Filmstart im Februar angeblich nicht nur 400 Millionen Dollar weltweit eingespielt, sondern auch die Kritiker jubeln lassen. Denn der Film handelt von genau den Reibungen zwischen Kommerz und Kreativität, mit denen Lego sich auseinandersetzen muss, seit aus bunten Plastikteilchen „Themenwelten“ wie Star Wars und Ninjago geworden sind.

Die Geschichte: Emmet, ein ganz gewöhnliches Legomännchen, ist braver Bauarbeiter im Legoland, das von einem Bösewicht namens Lord Business ganz im Sinn der Lego-Bauanleitungen geführt wird. Solange er morgens aufsteht und vom Lego-Balkon die sonnige Lego City begrüßt, bevor er auf die Lego-Baustelle geht, um dort Lego-ordnungsgemäß Legoteile zusammenzusetzen, macht sein Leben legologischen Sinn. Bis er sich in Wyldstyle verliebt. Und Liebe versetzt Steine: Emmet wird zum Auserwählten, der gemäß einer alten Prophezeiung den sagenumwobenen Stein des Widerstands (ein seltsames Plastikteil, das so gar nicht nach Lego aussieht und sich in den Tiefen der Baustelle verbarg) an seinen angestammten Platz setzen muss. Und natürlich wächst unser Mann aus Plastik über sich hinaus.

Du musst nichts Besonderes sein, du musst nur glauben, dass du etwas Besonderes bist – „The Lego Movie“ ironisiert diese Grundregel Hollywoods, indem er ein haarsträubend langweiliges Männchen zum Auserwählten kürt. Man pflegt solch einen Film ein kurzweiliges Kinovergnügen für Jung und Alt zu nennen. Ein bisschen wie Spaghetti mit Tomatensoße. Mit ironischer Tomatensoße wird daraus – Spaghetti-Eis: Ganz süß, ganz lecker, und nichts von Dauer.

+++-- „The Lego Movie“ USA 2014, 100 Min., o. A., R: Phil Lord und Chris Miller, täglich im Cinemaxx Dammtor (auch OF)/Harburg/Wandsbek, Hansa-Filmstudio, Savoy (OF), UCI Othmarschen/Wandsbek (alle auch 3-D); www.lego.com/de-de/movie