Das Ziel fest im Blick

Das Erste zeigt den Dokumentarfilm „Gold – du kannst mehr als du denkst“ zur Einstimmung auf die Paralympics

Erstaunlich. Dieses Wort begegnet einem immer wieder, wenn man über diesen Film schreibt. „Gold – du kannst mehr als du denkst“ schildert das Schicksal dreier Sportler und ihre Vorbereitung auf die Teilnahme an den Paralympics in London. Jetzt, unmittelbar vor der Eröffnung der Paralympics in Sotschi, zeigt das Erste den Film zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr.

Der Film hat drei Stars: die Schwimmerin Kirsten Bruhn aus Neumünster, den Marathonläufer Henry Wanyoike aus Kenia und den australischen Rennrollstuhlfahrer Kurt Fearnley. Regisseur Michael Hammon hat sie ein Jahr lang bei ihren Vorbereitungen begleitet, zeigt ihren Ehrgeiz, ihre Trainingsqualen, aber erzählt auch, wie sie zu ihren Verletzungen kamen. Gedreht wurde dafür auf drei Kontinenten. Die Teilnahme der Sportler in London ist der emotionale Höhepunkt des Films.

Kirsten Bruhn ist nach einem Motorradunfall querschnittsgelähmt und entdeckte danach ihre Leidenschaft für das Schwimmen wieder. Sie stellte mehrere Weltrekorde auf. Henry Wanyoike wachte im Alter von 20 Jahren auf und konnte nichts mehr sehen. Seine Depressionen konnte er überwinden. Der Kenianer, der eine Zeitlang zwangsernährt werde musste, konnte beim 5000-Meter-Lauf bei den Paralympics in Sydney sogar das Feld überrunden. Kurt Fearnley, der mit stark verkürzten Beinen zur Welt kam, wurde einer der weltbesten Rennrollstuhlfahrer.

Auf den ersten Blick mag „Gold“ ein Sportfilm sein, aber er ist eigentlich viel mehr. Er zeigt, wie Menschen einen Schicksalsschlag verarbeiten, niemals aufgeben, es trotz mehrerer Rückschläge tatsächlich schaffen. Der Film begeistert und macht Mut. Das hat eine sehr positive Ausstrahlung, die zu Jubelszenen im Kino führte, was sonst eher selten geschieht.

„Gold“ erlebte seine Premiere bei der Berlinale im vergangenen Jahr, aber das war erst der Anfang. 1400 Gäste kamen noch im selben Monat zur Hamburg-Premiere in den Hangar der Lufthansa Technik, um den Film zu sehen. Unter den Gästen waren auch der damalige Innenminister Hans-Peter Friedrich, Bürgermeister Olaf Scholz, Wladimir und Vitali Klitschko.

Produziert wurde der Film von der Hamburger Parapictures Film Production. Produzent Hendrik Flügge berichtet von einer Erfolgsgeschichte. 40.000 Zuschauer sahen den Film in den deutschen Kinos. Das sind erstaunlich viele für einen Dokumentarfilm. Es hat viele Vorführungen für Schüler gegeben, die Flügge ziemlich überrascht haben. „Sie haben uns nach dem Ende Löcher in den Bauch gefragt.“ Aber auch bei Erwachsenen hinterließ der Film seine Spuren. Die Hamburger Polizei setzt ihn mittlerweile zur Schulung ihrer Beamten ein. Die Filmemacher konnten ihr Werk vor der Weltsportministerkonferenz in Berlin zeigen.

„Der Film hat sich als ein emotionaler Türöffner erwiesen“, sagt Flügge. Er lobt die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein. „Sie haben an uns festgehalten, als andere nicht mehr an uns geglaubt haben.“ Zusammen mit Andreas F. Schneider und Ronald Kruschak möchte er gesellschaftlich relevante Themen aufarbeiten. „Aber vier, fünf Jahre wird uns ‚Gold‘ wohl noch beschäftigen.“ Erstaunlich.

„Gold“ Do 6.3., ARD, 20.15 Uhr