Gelungene Opern-Uraufführung in der Musikhochschule

Hamburg. Deutschland trifft China – in Hamburg kann man diesem Thema kaum entkommen bei all den Verrenkungen, die die Hansestadt macht, sobald es um die Partnerstadt Shanghai geht. Nun zieht die Musikhochschule nach und zeigt die Oper "Yang Guifei – Die Konkubine des Kaisers", angewandte Völkerverständigung sozusagen: Die Musik hat die junge Chinesin Yijie Wang beigetragen, das Libretto stammt aus der Feder des Hamburger Musikpublizisten Sören Ingwersen. Er hat es fertiggebracht, den berühmten chinesischen Mythos von dem Kaiser, der seine Lieblingskonkubine der Staatsräson opfert, auf eine Handlung von eineinhalb Stunden Dauer einzudampfen.

Chronologisch, schlüssig und gut verständlich erzählt, trifft Ingwersens Text den Ton von Wangs Musiksprache. Beides verbindet sich schlüssig mit Dominik Neuners Regie und Bühnenbild. Starke Motive – die Vogelschwinge, der Eunuch, Klänge von Zither und Kniefiedel – leiten wie Wegmarken durch das Stück. Genug exotisches Kolorit also, freilich ist bei all den "Turandot"-Anklängen auch das Klischee nie fern.

Sie wolle ihre eigene Musik schreiben, sagt die Komponistin. In der Tat finden sich zwischen Filmmusik und Chinesischem immer wieder originär westlich-avancierte Passagen mit Strawinsky-Rhythmen und weit gespreizten Intervallen. Die Sänger, allen voran Rebekka Reister als Konkubine Yang und Jianeng Lu als Kaiser, meistern ihre Partien szenisch wie stimmlich souverän, Bettina Rohrbach am Pult hält eine hoch motivierte ost-westliche Musikertruppe mit der Bühne zusammen.

Beteiligt sind dem Vernehmen nach fast alle Institute der Hochschule. Respekt für diese wohlklingende Ensembleleistung.

Weitere Vorstellungen: 25. und 27.2., 1. und 2.3.

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