Facebook, Twitter und Co.

Von dem Glück, eine Nachricht zu erhalten

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Jens Meyer-Wellmann

Aktuelle Studien aus Berlin zeigen, dass die Interaktion in sozialen Netzwerken wie Facebook Einsamkeitsgefühle deutlich verringern kann.

Hamburg. Zu Beginn des Internet-Zeitalters gaben noch die Warner den Ton an – wie so oft, wenn der Mensch es mit neuen Technologien zu tun bekommt. Wer zu viel im weltweiten Netz unterwegs sei, werde schneller depressiv, hieß das Ergebnis einer der ersten Studien aus den 90er-Jahren. Zugleich wurde vor einer Abhängigkeit vom Internet-Surfen gewarnt. Die Horrorvision lautete: Die Menschen werden irgendwann nur noch vor ihren Rechnern sitzen und langsam aber sicher vereinzeln, vereinsamen und todunglücklich werden.

Mittlerweile hat sich der Blick auf die Auswirkungen der neuen Medien stärker differenziert. Und es gibt immer mehr Studien, die die positiven Effekte der weltweiten Vernetzungen auf das Wohlbefinden des Menschen ins Zentrum rücken. Zwei aktuelle Untersuchungen von Forschern der FU Berlin zum Beispiel belegen, ein wenig zugespitzt: Facebook, Twitter und Co. können glücklich machen und die Einsamkeitsgefühle von Menschen deutlich verringern.

Die vom Neurowissenschaftler Dar Meshi geleitete Arbeitsgruppe untersuchte für ihre Studie per Computertomograf die Reaktion des menschlichen Gehirns auf die Nutzung der weltweit größten Plattform Facebook. Dabei stellte sich heraus, dass positive Rückmeldungen auf eigene Postings ein Hirnareal aktivieren, das für Belohnung, also für Wohlgefühle zuständig ist, nämlich der Nucleus accumbens.

Wenn also jemand viele Reaktionen auf ein bei Facebook gepostetes Bild, einen Link oder einen Text bekommt, dann fühlt er sich ebenso gut, als wenn ihn ein anderer Mensch persönlich lobt. Dafür reicht schon ein „Like“, sprich: jemand, der unter dem Eintrag den „Gefällt mir“-Knopf drückt. Die Forscher konnten mit ihrer Untersuchung auch vorhersagen, welche ihrer Probanden intensiver auf Facebook unterwegs waren und welche weniger. Das ließ sich anhand der Art sehen, wie der Nucleus accumbens auf positive Rückmeldungen von Facebook-Freunden reagierte.

Den Menschen sei es von jeher wichtig, einen guten Ruf zu haben, so Dar Meshi. Heute betreibe ein großer Teil der Menschheit die Rufpflege über das Internet und speziell über soziale Netzwerke. Das Gehirn reagiere auf diese digitalen Interaktionen genauso wie auf die persönlichen.

Die Steigerung des persönlichen Wohlbefindens durch die Kommunikation in sozialen Netzwerken könnte eine Erklärung dafür liefern, warum die Menschen weltweit täglich rund 60 Millionen Postings oder „Status-Updates“ auf Facebook veröffentlichen. Dazu passt auch die zweite Berliner Studie. Die Psychologin Fenne große Deters fand nämlich heraus, dass die Nutzung sozialer Netzwerke Einsamkeitsgefühle reduzieren kann, sprich: Wer viel postet, fühlt sich weniger allein. Dabei kommt es nach dieser Untersuchung gar nicht auf die Reaktionen an. Allein die Gedanken an die Freunde, die beim Teilen von Nachrichten im eigenen Netzwerk entstünden, führten zu einer Steigerung des Wohlbefindens.

Große Deters führte ihre Untersuchung mit 102 Studenten der Universität von Arizona durch. Dabei kam ein standardisierter und weltweit genutzter Fragebogen zur Ermittlung des Grades von Einsamkeit zum Einsatz, die „UCLA Loneliness Scale“, die in den USA entwickelt wurde. „Unsere Untersuchung zeigt, zusammen mit anderen jüngeren Studien, eher die Vorteile als die Risiken der (sozialen) Internetnutzung“, schreibt die Forscherin.

Die Berliner Psychologin Fenne große Deters stellt ihre Untersuchung unter dem Titel „Facebook and the brain“ im Rahmen der Social Media Week 2014 am 18. Februar ab 19.30 Uhr im MakerHub in der Großen Bergstraße 160 vor. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung über http://socialmediaweek.org/hamburg/) aber nötig.Folgen Sie dem Autor bei Twitter unter: @jmwell