Wo der Therapeut zum Häufchen Elend wird

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„Die Damen warten“: In den Kammerspielen mangelt es an pointierten Dialogen

Hamburg. Es gibt Stoffe, die für Träume taugen, und es gibt Stoffe, die sich schwer auf eine Bühne bringen lassen, weil sie Fragen offen lassen. Sibylle Berg, Autorin frauen- und gesellschaftskritischer Romane, hat bei „Spiegel online“ eine Kolumne, die ihr jeglichen Gestaltungsspielraum lässt. Ähnlich verhält es sich mit ihrem Stück „Die Damen warten“, das bei der Premiere in den Kammerspielen mit zurückhaltendem, weil teils irritiertem, aber freundlichem Beifall für die Schauspielerinnen-Riege und Kai Hufnagel als ihrem Therapeuten Horst aufgenommen wurde. Wobei das Attribut freundlich nicht so recht zu Bergs boshaftem Werk passen mag.

Die vier Damen über 40, die am Weltfrauentag in einer surreal anmutenden Wellness-Oase landen, sind alle von „ihrer demokratisch legitimierten Regierung“ eingeladen, wie Horst preisgibt. Als Gitarre spielender Mini-Halbgott in Weiß ist er ebenso überzeichnet wie die vier Frauen. Ob die intellektuell über allen schwebende asexuelle Pathologin Frau Grau (Nina Petri), die naive Hausfrau Frau Merz-Dulschmann (Marion Martienzen), die alleinerziehende Angestellte Frau Luhmann (Hildegard Schroedter) oder die ewige Geliebte Frau Töss (Julia Jäger) – diese für die Gesellschaft nutzlosen Frauen sollen nicht aufgehübscht, sie sollen unterirdisch entsorgt werden. Per Gas.

Schroedter als ernüchtert Frustrierte („Ich habe in meinem Leben genug Opfer gebracht, ich weiß, wie man sich als Opfer fühlt“) und Martienzen als Mutti mit heller Stimme überzeugen komödiantisch. „Darf ich auch mal?“, fragt Merz-Dulschmann, als ihre Mitstreiterinnen schon dabei sind, sich an Horst mit Händen, Füßen und Zähnen zu rächen. Der wird unversehens zum wehrlosen Häufchen Elend. Bergs satirische Komödie ist hier bereits vom Absurd-Komischen ins sprichwörtlich Bissig-Tragische gekippt. Es mangelt ihrem Stück leider an Dialogen, welche die ohnehin dünne Handlung voranbringen könnten. Dabei haben Regisseur Kai Wessel und Co. ihre Fassung gegenüber der Uraufführung Ende 2012 in Bonn auf knapp 90 Minuten gestrafft.

„Wir sind die Macht, wir sind das Leben. Wir sind allein, Gott ist die Frau“, singen die Damen auf Schaukeln sitzend. In ihrer (Parallel-)Welt.

„Die Damen warten“ Mi 29.1.– So 2.3., Hartungstr. 9–11, Karten-Tel. 413 44 40

( (str) )