Dokumentarfilmer geht, Krimiautor kommt

Arne Sommer steht künftig an der Spitze der Filmwerkstatt in Kiel, der nördlichsten Dependance der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein

Kiel. Schichtwechsel in Kiel. Noch bevor das neue Jahr der Landeshauptstadt einen neuen Ersten Bürgermeister beschert, ist eine andere Personalie bereits geklärt und reibungslos über die Bühne gegangen. Die Filmwerkstatt, nördlichste Dependance der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH), wird in Zukunft von Arne Sommer geleitet. Der bisherige Chef, Bernd-Günther Nahm, geht nach einem Vierteljahrhundert an der Spitze der Filmförderer im nördlichsten Bundesland in den Ruhestand. 2014 besteht die Filmförderung Schleswig Holstein seit 25 Jahren. Die Personalie zeigt: Generationswechsel müssen gar nicht schwierig sein.

Arne Sommer ist eigentlich ein Schreiber. Von ihm stammt die Hörspielreihe über den blinden Hamburger Detektiv „Peter Lundt“. Außerdem hat er Drehbücher und Romane verfasst. Der Mann, der in der Nähe von Neumünster lebt, will nun frischen Wind in die Filmszene in Schleswig-Holstein bringen und die Zusammenarbeit mit Hamburg weiter intensivieren. Seit 2007 arbeiten die Filmförderungen von Hamburg und Schleswig-Holstein unter einem gemeinsamen Dach.

„Unser Bundesland hat dadurch gewonnen“, sagt Sommer. Die Filmwerkstatt hat sich in den vergangenen Jahren in erster Linie auf Dokumentarfilme spezialisiert und darauf, Neulingen auf dem Weg ins schwierige Filmgeschäft mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. „Wir wollen Türöffner sein und manchmal auch abseitige Projekte fördern“, verspricht Sommer, dem für die Filmwerkstatt eine Art Laborfunktion vorschwebt. Als eines seiner ersten Ziele nennt er die Modernisierung des Filmfests Schleswig-Holsteins in Kiel, das früher Augenweide hieß und Ende März stattfindet. Er möchte das Festival mit Filmen aus und über das Land mit einem ausgebauten Rahmenprogramm zu einem zweiten Treffpunkt der Szene neben den Nordischen Filmtagen in Lübeck machen. Außerdem will er die internationalen Kontakte intensivieren, die jetzt bereits zwischen der Filmwerkstatt und der norwegischen Filmschule in Lillehammer, nach Estland, Lettland und zum Dänischen Filminstitut bestehen.

Mit Bernd-Günther Nahm verlässt ein alter Dokumentarfilmer sein bisheriges Amt. Der 66-Jährige hat vor seiner Zeit in Kiel Medienarbeit in der Erwachsenenbildung in Togo, Kamerun und im Jemen geleistet. „Vielleicht habe ich dadurch einen anderen Blick auf das tatsächlich Machbare gewonnen“, überlegt er. Während seiner Amtszeit sind aus der Kieler Filmszene Regisseure wie Lars Jessen („Fraktus“), Lars Büchel („Lippels Traum“) und Antje Hubert („Das Ding am Deich“) hervorgegangen – und nach Hamburg abgewandert, weil dort für größere Produktionen günstigere Rahmenbedingungen herrschen. In Kiel gibt es dagegen eine ziemlich aktive Kurzfilmerszene.

Das nördlichste Bundesland ist aber auch als Schauplatz begehrt. Hier entstanden 16 Staffeln der TV-Serie „Der Landarzt“. Detlev Buck inszenierte bei Schleswig gerade den Kinofilm „Bibi und Tina“, auch Szenen der dänischen Adler-Olsen-Verfilmung „Erbarmen“, die noch im Januar in die Kinos kommt, wurden hier gedreht.

Nahm gibt zu, dass er vor der Fusion der Institutionen aus Kiel und Hamburg im Jahr 2007 Bedenken hatte, dass „die große Schwester von nebenan“ das chronisch finanzschwache Bundesland an den Rand drängen könnte. Heute sieht er das anders. „Die Zusammenarbeit hat sich bewährt. Hamburg hat unsere Eigenständigkeit erkannt.“

Der Informationsfluss funktioniert. Der Leiter der Filmwerkstatt hat einen Sitz im Gremium 2 der FFHSH, das über Anträge bis zu einem Produktionsvolumen bis 800.000 Euro entscheidet. Bereits in zweiter Auflage informiert eine Broschüre Nachwuchsfilmer über die Leistungen der Filmwerkstatt. Das gelte auch für den Hamburger Nachwuchs, besonders aber für den hohen Norden, denn, „der Weg zum Film ist von Niebüll aus weiter als von Altona“, sagt Nahm.

Seinen Schreibtisch in der Filmwerkstatt hat er zwar geräumt, will sich aber auch weiterhin um das Thema Film kümmern. Er hat Lehraufträge, sitzt in Jurys und kuratiert Programme. Die wichtigsten Filme aus Schleswig-Holstein sind für ihn Jessens Hippie-Film „Am Tag als Bobby Ewing starb“, Huberts Brokdorf-Dokumentation „Das Ding am Deich“ und Cho Sung-Hyungs Film über das Wacken-Festival „Full Metal Village“. Zu seinem Wunschnachfolger Sommer hat er ein gutes Verhältnis. „Ich hoffe, er wird die Filmwerkstatt im gleichen Geist neu erfinden“, sagt der Mann, der stille Filme oft für eindringlicher hält, als jene, die mit viel Getöse daherkommen.