„Privat wäre eine Kreuzfahrt nichts für mich!“

Vom Steward zum Kapitän. Nach 22 Jahren kehrt Sascha Hehn auf das „Traumschiff“ zurück. Ein Gespräch über Flirten, Jagen, weiße Badehosen und Ursula von der Leyen

Was für eine Beförderung: Aus dem Steward Victor ist der Kapitän Victor geworden. Solche Karrieren ermöglicht nur das ZDF-„Traumschiff“. Das Abendblatt hat mit Hauptdarsteller Sascha Hehn gesprochen.

Abendblatt:

Gab es bestimmte Bedingungen, die Sie vom ZDF erfüllt haben wollten, damit Sie wieder an Bord kommen?

Sascha Hehn:

Als der Produzent Wolfgang Rademann und ich uns in den letzten Jahren mal getroffen haben, habe ich im Scherz gesagt: „Wenn ich je zurückkomme auf’s Traumschiff, dann nur als Kapitän.“ Und aus diesem Witz ist nun Ernst geworden. Lustig, oder?

Bleibt der Kapitän ganz der Alte?

Hehn:

Ich werde ihn bodenständig halten, er wird weiterhin eher Stullen als Kaviar essen. Und vor allem seine wichtigste Aufgabe erfüllen: Die Augen aufhalten, um nicht gegen einen Felsen zu fahren.

Der Steward Victor war ein Frauenschwarm...

Hehn:

Als Kapitän kann ich nicht mehr in jeder Folge einen Flirt haben. Der Steward Victor hat sich aus gutem Grund dazu entscheiden, sein Kapitänspatent zu machen, weil er wegwollte von der Oberflächlichkeit. Und eine feste Partnerin wäre einfach schwer praktikabel. Wie soll das denn laufen, wenn einer zu Hause wartet und der andere immer über die Weltmeere schippert? Aber ich denke schon, dass ich als Kapitän die ein oder andere nette Frau kennenlernen darf. Im Grunde ist es wie bei Privatdetektiv Magnum: Viel Auswahl, aber bei dem hat es irgendwie nie so richtig geklappt.

Haben Sie zur Vorbereitung auf die Rolle mit Ihrem Vorgänger Siegfried Rauch oder einem echten Kapitän gesprochen?

Hehn:

Das war gar nicht nötig, denn ich bin jahrelang zur See gefahren und kenne mich auf dem Wasser gut aus, habe einen Segel- und einen Sportbootsführerschein. Beim Drehen steht ein richtiger Erster Offizier auf der Brücke neben mir, der darauf achtet, dass ich keine falschen Kommandos gebe. Wobei: Viele Möglichkeiten gibt es dabei nicht. Meistens hebe ich das Fernglas.

Stimmt es, dass Sie früher beim Drehen auf dem „Traumschiff“ mal in Gefahr gerieten?

Hehn:

Ich hatte den dummen Fehler begangen, mit einer weißen Badehose in die Acapulco-Bay zu springen. Da wimmelte es von Haien, und die Strömung hätte mich fast weggezogen. Damals habe ich in meinem jugendlichen Leichtsinn viel Quatsch gemacht – aber ich habe es zum Glück überlebt.

Sie sind beispielsweise mal in 4 Stunden 16 Minuten von München nach Hamburg gefahren.

Hehn:

Das würde ich heute nicht mehr schaffen. Zum einen bin ich nicht mehr im Porsche mit 250 Stundenkilometern unterwegs, sondern mit einem VW-Bus und einem Tempomat. Und dann ist es viel zu gefährlich geworden, inzwischen sind deutlich mehr Autos auf den Straßen, und es gibt überall Tempobegrenzungen. Ich kann stolz verkünden, keinen Punkt in Flensburg zu haben.

Kann man sagen, dass Sie in ihren Rollen, ich denke da auch an die „Schwarzwaldklinik“, auf Weiß stehen?

Hehn:

Könnte man meinen, ja. Aber es müsste schon sehr viel passieren, bis ich wieder einen Arztkittel anziehe. Bei der „Schwarzwaldklinik“ hatten wir ja auch den großen Vorteil, dass es kaum andere Sender gab, die Zuschauer waren uns quasi ausgeliefert. Solche Traumquoten gibt es heute nicht mehr.

Das „Traumschiff“ hatte zu seinen Spitzenzeiten in den 80er-Jahren mal 25 Millionen Zuschauer.

Hehn:

Die Zeiten sind für immer vorbei. Quoten sind ohnehin egal. Richtig gutes Fernsehen kommt eher dann zustande, wenn man nicht von vornherein an Quoten denkt oder wie man das Format durch den Fernsehrat bekommen könnte. So war es bei der ZDF-Serie „Lerchenberg“, bei der ich mich selbst gespielt habe. Da gab es eine lustige Idee, und die haben wir einfach mal gemacht, anstatt sie kaputtzureden oder 100 Marktforschungen zu betreiben. Das nenne ich Innovation, auch wenn sie spätnachts im Programm versteckt wurde! Warum reißen sich die Stars in Amerika denn ein Bein aus, um bei Produktionen des Bezahlsenders HBO dabei sein zu können? Weil die mutige Formate machen mit jeder Menge Würze. Egal, wie viele zuschauen.

Das „Traumschiff“ schippert schon seit 1981 durchs Fernsehen. Warum ist es noch nicht untergegangen?

Hehn:

Wir haben nicht so viel Positives im Fernsehen. Jede Woche sterben Hunderte Leute vor laufender Kamera. Der Zuschauer kommt nicht weg von der Gewalt und den traurigen Realitäten. Das „Traumschiff“ liefert schöne Bilder und schöne Geschichten, sodass man mit einem leichten Lächeln ins Bett gehen kann. Die Konstanz des Personals ist sicher auch ein Erfolgsfaktor, Heidi Keller beispielsweise hat sich ja überhaupt nicht verändert in all den Jahren. Mit ihr ist es immer noch so lustig wie vor 22 Jahren.

Wie viel angenehmer ist das Arbeiten auf einem Schiff als im Studio?

Hehn:

Es ist einer der schönsten Arbeitsplätze der Welt. Ich bin viel an der frischen Luft und sehe was von der Welt. In Perth (dahin geht die erste Folge, Anmerkung der Redaktion) beispielsweise war ich das letzte Mal vor 21 Jahren, damals lebten da gut 50.000 Leute, heute sind es Millionen. Diese Veränderung der Welt beobachten zu dürfen empfinde ich durchaus als Geschenk. Es ist erschreckend und faszinierend gleichermaßen. Erschreckend immer dann, wenn wir als reiches Produktionsteam in armen Ländern drehen. Die Leute vor Ort betrachten uns wie Außerirdische, wie Könige.

Sie werden nächstes Jahr 60. Wie alt fühlen Sie sich?

Hehn:

Wie 25. Wirklich. Wobei ich letztens drei Monate lang eine Brücke gebaut habe vor meinem Blockhaus in Bayern, da fühlte sich mein Rücken abends etwas älter an als 25.

Sie könnten sich zum Geburtstag und zur Erholung doch eine schöne Kreuzfahrt wünschen.

Hehn:

Privat wäre das nichts für mich. Dieses All-inclusive-Konzept, mit 2000 Leuten gemeinsam auf einem Schiff gefangen zu sein? Besser nicht. Ich habe lieber meine Ruhe, lebe zurückgezogen auf dem Land und unternehme Dinge in der Natur. Zu Fuß durch Neuguinea, das würde mir gefallen.

Und gehen Sie noch gerne jagen?

Hehn:

In Deutschland gehe ich fischen, im Ausland jagen. Zum Beispiel in Rumänien und Russland. Dieser Jagdtrieb steckt in jedem Menschen, da kann ich nichts dafür. Ja, auch in Frauen. Sie nehmen vielleicht keine Waffe in die Hand, aber in der Stadt nach den besten Schnäppchen zu suchen, das hat auch etwas mit dem Jagdtrieb zu tun.

Da wir gerade von Waffen sprechen: Was halten Sie von Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin?

Hehn:

Eine großartige Personalentscheidung. Eine siebenfache Mutter wird uns hoffentlich weghalten von den ganzen Kriegstreibern und das Geld sicher besser einsetzen als für sinnlose Aufrüstung.

Werden Sie auf der MS „Deutschland“ in Rente gehen?

Hehn:

Meine Zukunft steht in den Sternen. Das „Traumschiff“ ist zumindest der Beweis, dass man selbst im Fernsehen in Würde altern kann. Genauso ungern wie voraus, gucke ich übrigens in die Vergangenheit. Mit fünf Jahren stand ich zum ersten Mal vor der Kamera, und es gibt keine Rolle, die ich bereuen würde. Ich bin zufrieden. Bis jetzt war’s riesig.

„Das Traumschiff: Perth“ Mittwoch, 1. Januar 2014, 20.15 Uhr, ZDF