Spezialkonzert

Simone Young schickt Feuer und Seele ins Orchester

Ihre Philharmoniker spielen einen frühen Britten und feiern Anton Bruckners 6. Sinfonie.

Hamburg. Gut zwei Wochen vor ihrem hochpopulären Jahresend-Rausschmeißer-Konzert „Salut!“ am Silvestertag gestattete sich die Hamburgische Generalmusikdirektorin Simone Young als Abschiedsgruß von 2013 für die Abonnenten (fast) ein Raritätenkabinett. Beim 3. Philharmonischen Konzert standen mit zwei großen Bs zwar die Namen zweier ihrer erklärten Helden auf dem Programm. Doch Benjamin Brittens Doppelkonzert für Violine und Viola (1932) ist auf den Spielplänen sinfonischer Konzerte ein totaler Exot, und Anton Bruckners 6. Sinfonie (1881) zählt auch nicht gerade zu den Smash Hits des Linzer Groß-Sinfonikers.

Was Brittens von ihm selbst früh in die Schublade verwiesenes Jugendwerk betrifft, so lag der Mantel des Vergessens nicht zu Unrecht über ihm. Die dreisätzige Komposition des 18-Jährigen, die erst 21 Jahre nach Brittens Tod ihre Uraufführung erlebte, lässt erst im Finalsatz erkennen, was für ein Musikschöpfer von später singulärer Bedeutung sich da erprobt. Die Solopartien sind, abgesehen von nahezu unbegleiteten, weit ausgreifenden Stellen, recht undankbar; was die Bläser spielen, ist oft spannender (und sehr viel lauter) als das, was Britten für Violine und Viola schrieb. Naomi Seiler, Solobratscherin des Orchesters, und Anton Barachovsky, bis 2009 acht Jahre lang Konzertmeister der Philharmoniker, schlugen sich wacker – und entschädigten sich und das Publikum mit dem zauberhaften Rondo, das Mozarts G-Dur-Duo für Violine und Viola beschließt.

Wie tief vertraut das Orchester und seine Chefin mit der Klangsprache Anton Bruckners sind, ließ sich nach der Pause erleben. Die Wiedergabe der 6. Sinfonie A-Dur geriet aufseiten der Philharmoniker zu einem Fest der Präzision und Pünktlichkeit. Kein Wunder: Simone Young gab organisch wirkende Tempi vor und verband sich mit ihren Musikern in einer überzeugend dosierten Mischung aus Feuer und Seele. Zwar wünschte man sich vor allem im Kopfsatz einen Sitzplatz jenseits der Reichweite jener gleißenden Funken, die die zu Schneidbrennerschärfe hochgeregelten ersten Geigen über das ihnen nahe gelegene Parkett regnen ließen. Aber spätestens ab dem Adagio versöhnte die Fülle an vorzüglich realisierten Details, erfreuten die Noblesse der Streicher, die Homogenität und Prägnanz der Bläser und das stets fühlbare musikantische Temperament.

Auch Mo, 16.12., 20.00, Laeiszhalle. T: 35 68 68