Kinostart: 17. Oktober

Frau Ella: Ein Selbstfindungstrip mit Ruth-Maria Kubitschek

| Lesedauer: 2 Minuten
Karolin Jacquemain

Das Komödien-Roadmovie „Frau Ella“ überzeugt dank Ruth-Maria Kubitschek

Das deutsche Kino hat eine Schwäche für erwachsene Männer, die sich benehmen wie pubertierende Zwölfjährige. Männer, die fremdgehen, zum WG-Frühstück Wodka trinken und die langjährige Freundin verlassen, wenn die anfängt zu klammern oder, noch schlimmer, sich ein Kind wünscht. Niemand hat sich stärker (und erfolgreicher) auf überforderte Jungsmänner spezialisiert als Matthias Schweighöfer. Die Rolle des Taxifahrers Sascha, der, als er von der Schwangerschaft seiner Freundin erfährt, frontal in einen Betonpfosten knallt, fügt sich geradezu perfekt ins Repertoire. Sascha landet (mit lila-grünem Auge) im Krankenhaus, entführt mehr versehentlich seine herzkranke 87-jährige Bettnachbarin und landet schließlich in Paris, wo sich schon immer große Lieben verloren und wiedergefunden haben.

„Frau Ella“ von Regisseur Markus Goller ist ein (mehrfacher) Selbstfindungstrip mit melancholischen Einschlägen und ein paar Lausbubenscherzen gelungen. Es ist vor allem der Schauspielerin Ruth-Maria Kubitschek zu verdanken, einer der letzten Grande Dames des deutschen Kinos, dass der Film sich von seinen Drehbuchschwächen immer wieder erholt und ein paar wirklich herzwärmende Momente hervorzaubert. Etwa, wenn Kubitschek als Rentnerin Ella Freitag weiß, dass sie ihre Lebensliebe für immer verloren hat. Aber den Mann, den sie einst aus Feigheit verlassen hat, gar nicht erst zu suchen, hieße, ihn nochmals zu verraten.

Schweighöfer und Kubitschek, die Kombination mag auf den ersten Blick überraschen – ihr Zusammenspiel indes funktioniert. Er ein unselbstständiger Lebensverweigerer, der die engste Bindung mit seinem Oldtimer-Cabrio unterhält, sie eine sentimentale Optimistin, die es noch mal wissen will. Neben dem Harold-und-Maude-ähnlichen Paar spielt Anna Bederke Saschas (Ex)-Freundin, Burgtheater-Star August Diehl den besten Kumpel, der es selten übers erste Date hinaus schafft.

Trotz einiger grauenvoller Poesiealbumsprüche („Wenn man so alt ist wie ich, dann bereut man nicht die Fehler, die man gemacht hat. Sondern das, was man nicht gemacht hat“) und einem etwas aufdringlichen Langer-Wickelwollschal-Look zeigt Regisseur Goller eine Zuneigung zu seinen Figuren, die doch zum Mitfühlen verführt. Und „Frau Ella“ ist ein Plädoyer dafür, sich öfter mal was zu trauen im Leben.

Bewertung: belanglos

„Frau Ella“ D 2013, 104 Min., o.A., R: Markus Goller, D: Matthias Schweighöfer, Ruth-Maria Kubitschek, tägl. im Cinemaxx Dammtor/Harburg/ Wandsbek, Koralle, UCI Mundsburg/Othmarschen-Park/Wandsbek; www.warnerbros.de/frauella