Menschlich gesehen

Die Einsprecherin

Sie liebt das Kino. Die Bilder, die Spannung, die Dunkelheit. Wenn es gut läuft, spürt niemand im Saal ihre Anwesenheit. Dann ist es, als wäre sie ein natürlicher Teil des Films. Saskia Brzyszczyk arbeitet in diesen Tagen auf dem Michel Filmfest; sie ist Einsprecherin. Was klingt wie eine denkbar unkünstlerische Aufgabe, bedarf in Wahrheit jede Menge Feingefühl. Brzyszczyk spricht live die deutsche Übersetzung der ausländischen Kinderfilme – und muss in diesem Job genau die richtige Balance finden zwischen Zurückgenommenheit und Interpretation. „Ich lasse mich ganz auf den Rhythmus des Films ein. Ich präge ihn mit meiner Sprache, aber darf ihn nicht dominieren“, sagt sie.

Einsprecherin für das Filmfest ist die Sängerin und Schauspielerin aus Ottensen seit 2012; in dieser Runde kann man sie noch beim Animationsfilm „Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen“ (heute 11 Uhr, Abaton) sowie beim Straßenfußballfilm „Horizon Beautiful“ (Mittwoch, 15 Uhr, Abaton) erleben. Das schönste Lob hat der Frau, die sich stets im hinteren Kinodrittel samt Mikrofon unsichtbar macht, ein älteres Ehepaar gemacht: „Irgendwann gehörten Sie einfach dazu!“ Wenn das Filmfest zu Ende ist, widmet sich Saskia Brzyszczyk wieder den „Nachtgedanken“, ihrem klassischen Liederabend. Sie führe ein „buntes Leben“, sagt die 37-jährige Künstlerin, die außerdem „frisch verliebt“ ist. Die Liebe zum Kino bleibt ja ohnehin.