Kreationen à la Knips

| Lesedauer: 3 Minuten
Thomas Andre

In dem Flottbeker Restaurant ist die Welt kulinarisch und politisch noch in Ordnung

Beschaulich und besonnen geht es zu im Knips an der Jürgensallee 51. Kein Wunder, liegt es doch in den Elbvororten. Hier läuft alles etwas langsamer – lecker ist es trotzdem.

Wenn man eine Schwäche für Klein Flottbek hat, den nicht anders als beschaulich zu nennenden Elbvorort, und sich hier öfter mal aufhält (besondere Merkmale: Backstein, Gärten, Ordnung), dann kennt man das Knips sowieso und geht da auch hin und wieder hin.

Aber selbst wenn man in „Hamburch Ciddy“ wohnt oder eher in Alsternähe, könnte man von dem Restaurant schon einmal gehört haben. Es ist, so sagt man bekanntlich, eine Institution. Und Gott, wie liegt das Knips idyllisch. Auch wenn’s langweilt, muss man schon sagen: Großstädte entfalten halt auch da ihren Reiz, wo sie dörflich sind. Gut, hier ist die S-Bahn-Station um die Ecke, und wenn Springturnier ist gegenüber im Derby-Park, dann traben viele Angereiste durch diesen Teil Flottbeks. Das Knips liegt außerdem zwischen Botanischem Garten und der Elbschloss Residenz. Das ist ein Altenheim.

Ich esse eine Tomatensuppe mit Crème fraîche, da kann man nichts falsch machen – auch in der Küche. Sie mundet, nur das Brot könnte etwas knuspriger sein. Und Apfelschorle aus Weizengläsern trinke ich nicht gerne. So viel zum Negativen, gemäkelt wird ja immer an irgendwas.

In Flottbek hat alles einen langsameren Beat. Am Nachbartisch sitzt eine fidele Gruppe von Pensionärinnen. Wenn man da zuhört, weiß man, dass die Welt in Ordnung ist, auch wenn Währungen auf der Kippe stehen und der Untergang des Abendlands schon immer auch noch möglich ist. Hier in Flottbek sind sie unbeschwert und nicht angekränkelt von den Zeitläufen. Früher war das Knips unter manchen der ganz jungen Leute verschrien, weil andere der ganz jungen Leute hier mit Popper-Klamotten und Siegelringen einfielen und ihre Wohlstandsverwahrlosung mit zünftigen Besäufnissen zelebrierten. Ich bin ein bisschen enttäuscht: Kein reicher Jüngling zu sehen. Dabei habe ich extra mein Lacoste-Poloshirt angezogen.

Reich wird das Knips heute nicht an mir, Suppe und Kaltgetränk für zusammen 9,40 Euro reichen vollends. Ich verzichte zum Beispiel auf: das Rinderrückensteak unter der Olivenkruste mit Pfeffersauce, buntem Gemüse und Bandnudeln (18,90 Euro). Die Kalbsmedaillons mit Parmaschinken und Salbei in Weißweinsauce („Saltimbocca alla romana“, 17,90 Euro). Die Steakpfanne „Knips“ (19,90 Euro). Ich liebe es besonders, wenn Restaurants eigene Kreationen (im Knips gibt’s zum Gegrillten Sauce Hollandaise – quasi als kalorienarmes Gegengewicht) ins große Kochbuch der Welt schreiben, indem sie mit Entdeckerstolz dem Kind einen Namen geben: den eigenen. Am wichtigsten sind dann die Anführungszeichen. Steakpfanne „Knips“, nun denn.

Genug gespottet: Das Angebot an Speisen und Getränken ist ordentlich, die Kellnerinnen sind nett, das Ambiente (mehrere Open-Air-Bereiche, gemütliches Innen mit übersichtlicher Raumaufteilung) ist angenehm und die Suppe leicht bekömmlich. Heute lacht die Sonne, die Natur grünt so sagenhaft grün: Hier gehen wir bald wieder hin.

Restaurant Knips täglich ab 16.30, Sa ab 16.00, So 10.00–22.00, Jürgensallee 51 (S Klein Flottbek), T. 82 91 44; www.knips-hamburg.de